Die CES in Las Vegas hebt nun ab

CES

Die Casino-Stadt in Nevada wird auf der am 6. Januar beginnenden Consumer Electronics Show (CES) wieder zum Schaufenster unserer total vernetzten Zukunft. Die Autohersteller würden da gerne die Schau stehlen.

Verkehrte Welt: Vor ein paar Jahren schien es noch, als sei die Magie des Automobils insbesondere für jüngere Konsumenten am Schwinden. Das neueste Smartphone oder Tablet wurden immer mehr zu Statussymbolen. Jeder Trend, jedes neue Design in diesem Bereich machte Schlagzeilen. Elektronikmessen wurden zu den neuen Automessen, nämlich zum besten Gradmesser der aktuellen Entwicklungen in der Konsumgesellschaft. Doch wer auf die diesjährige Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas blickt, die am 6. Januar ihre Türen öffnet, der hat den Eindruck, als beginne die Automobilindustrie allmählich den Spieß umzudrehen. Ein Viertel mehr Ausstellungsfläche als im vergangenen Jahr sind für automobile Projekte aller Art reserviert.

Die Autoindustrie vollzieht den Imagewandel

Der Eindruck, als sei die strategisch clever gleich zu Jahresbeginn terminierte Elektronikshow die erste Automesse des Jahres, hat sich insbesondere in Deutschland verfestigt: Von BMW bis Volkswagen ist die CES inzwischen eine willkommene Gelegenheit für die deutsche Autoindustrie, um zu zeigen, dass sie bei Fahrzeugen nicht mehr nur an die PS unter der Haube denkt, sondern auch an die Gigabytes des vernetzten Fahrzeugs der Zukunft.
Noch ist das autonome Fahren eine Vision. Doch auf der Messe sind bereits viele Bausteine für das Fahrgefühl der Zukunft zu besichtigen. Die größten Schlagzeilen bereits im Vorfeld provozierte vor Weihnachten die Meldung, dass Ford mit Google ein Joint Venture eingehen will, um autonome Fahrzeuge auf die Straße zu bringen. (Dies ist übrigens nur eine von vielfältigen und keineswegs exklusiven Kooperationen des US-Suchmaschinenkonzerns, der beispielsweise in Zusammenarbeit mit Audi, General Motors, Honda und Hyundai sein Android-Betriebsystem auch als Standard für das Internet im Auto etablieren möchte.)
Der Autozulieferer Bosch will mit einem Konzeptfahrzeug eine Vorausschau für das vernetzte Auto der Zukunft bieten. BMW präsentiert ein Autocockpit mit einem berührungslosen Touchscreen, der wichtige Funktionen auch über Gesten steuern lässt. Volkswagen hat ein elektrisches Konzeptfahrzeug angekündigt.
Daimler will unter anderem das Infotainment für die E-Klasse vorführen, wo laut der im Elektronik-Slang formulierten Pressemitteilung „berührungssensitive Touch Controls sowie Smartphone-Integration mit kapazitiver Antennenkopplung und Wireless Charging“ erlebbar sein werden. Und Toyota demonstriert ein wichtiges Detail, ohne das die autonome Navigation der Zukunft nicht funktionieren kann. Serienautos sollen künftig Daten sammeln und diese an ein Rechenzentrum übermitteln, das dann auf dieser Basis in den kommenden fünf Jahren hochdetaillierte Karten zusammenstellen wird.
Aber auch ein bisher noch mysteriöser Konkurrent für das Elektroauto Tesla soll auf der CES enthüllt werden. Die in Los Angeles basierte US-Firma Faraday Future will ein nicht nur elektrisch angetriebenes, sondern gleichzeitig auch höchst vernetztes Fahrzeug präsentieren. Hier schossen im Vorfeld der Messe sogar Spekulationen ins Kraut, ob das Projekt vielleicht die  Hülle für das Apple-Auto sein könnte?
Für die Autobranche ist die CES eine willkommene Gelegenheit für den Imagewandel – weg vom Blech hin zur automobilen Intelligenz. Zu Gute kommt ihr zurzeit, dass in anderen Bereichen der Elektronikwelt die wirklich zündenden Innovationen und Visionen zu fehlen scheinen. Das Smartphone scheint als aufmerksamkeitsheischendes Wundergerät ausgereizt. Dass der zuletzt unter Druck geratene Hersteller Samsung nun die neueste Version seines Flaggschiffs, das Galaxy S7, nicht in Las Vegas sondern auf dem Mobile World Congress in Barcelona im Februar vorstellen will, gilt deshalb nur als unbedeutende Fußnote. Apple präsentiert seine Neuerungen sowieso lieber auf eigenen Veranstaltungen.
Doch womöglich versperrt der in Deutschland etwas einseitige Blick auf das autonome Fahren den Blick auf weiterreichende Trends. Wenn allein die Wachstumsrate bei der Ausstellungsfläche der Maßstab wäre, werden die Autohersteller und –zulieferer von anderen Segmenten klar übertroffen. So werden auf der CES etwa ein Drittel mehr Start-ups ihre Konzepte präsentieren als  2015. Gleich um Dreiviertel ist die Präsentationsfläche beim Thema Robotik gewachsen. Auch tragbare elektronische Geräte, die sogenannten Wearables sind ein Trendsetter für 2016. Laut nach den Prognosen der renommierten Marktforscher von IDC werden sie in diesem Jahr erneut deutlich zulegen. Für die kommenden fünf Jahre werden jährlich knapp um ein Drittel wachsende Verkaufszahlen vorhergesagt.

Am meisten wächst auf der CES die Fläche für Drohnen

Generell steht die CES für den Trend, dass wir allmählich in sämtlichen Lebensbereichen mit dem Internet und virtueller Realität verwoben sind. Während das Fitnessarmband den Körper vermisst, bieten zahlreiche Hersteller immer perfektere Datenbrillen an. An diesem Trend ändert auch der Flop der Datenbrille Google Glass nichts, die inzwischen ihre Wiederaufstehung als professionell nutzbares Hilfgerät erlebt.
Googles Fehlkalkulation war wohl nur, dass Menschen nicht permanent mit einer solchen Brille herumlaufen wollen. Spielerisch in virtuelle Räume einzutauchen oder für begrenzte Zeiträume die Wirklichkeit mit der Fiktion zu verschmelzen, wird hingegen immer populärer. Auch schon lange bekannte Schlagworte aus dem Bereich des so genannten Internet der Dinge wie das vernetzte Haus („Smart Home“) füllen sich zunehmend stärker mit Leben.
Der klare Rekordhalter beim Zuwachs der Ausstellungsfläche sind aber im Jahr 2016 die unbemannten Fluggeräte: Bei den so genannten Drohnen hat sich die Fläche für die Aussteller im Vergleich zum Vorjahr sogar verdreifacht.
Aber auch hier ist schon wieder ein Autohersteller dabei. Der Schweizer Designentwickler Rinspeed präsentiert sein Konzeptauto Etos. Dieses auf  dem steckdosentauglichen Hybrid-Sportwagen BMW i8 aufbauende Modell bekommt eine Drohne gleich mitgeliefert. Auf dem flachen Heck ist dafür ein  fester Landeplatz vorgesehen. Ob das mit einer Kamera ausgestattete Fluggerät für den Fahrer auch die Länge des vor ihm aufgelaufenen Staus erkunden soll. ist nicht bekannt.

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Bild: Der Schweizer Nischenhersteller Rinspeed präsentiert seinen auf Basis des BMW-Hybridsportwagens i8 entwickelten „Etos“ gleich mit dazugehöriger Drohne.
Quelle: Rinspeed

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