Deutsche Gründerkultur zu wenig disruptiv?

Deutsche GründerkulturIst der Businessplan disruptiv genug? Die Investoren von Rulebreaker hatten manchmal Zweifel. Foto: CC0

Rulebreaker – der selbstbewusste Namen des Hannoveraner Frühphaseninvestors war schon bei der Gründung Programm. Nun fällt man ein kritisches Urteil über die deutsche Gründerkultur.

Mit zwei Investments können die Rulebreaker keine besondere Bedeutung im Vergleich zu zahlreichen anderen Investorengruppen in Deutschland beanspruchen. Dennoch ist die aktuelle Pressemitteilung  zur Ankündigung einer zweiten Bewerbungsrunde wegen ihres drastischen Urteils über die deutsche Gründerkultur bemerkenswert.  Aus mehreren hundert Bewerbungen, 40 Sichtungsgesprächen und 10 finalen Investmentpitches seien bisher nur zwei Beteiligungen in Startups hervorgegangen, heißt es in der Mitteilung der mit Prominenten bestückten Investorengruppe, zu der unter anderem der frühere EnBW-Chef Utz Claassen sowie der Ryanair-Gründer Michael Ryan oder der Mediamarkt-Gründer Walter Gunz.

Knackig die deutsche Gründerkultur zerlegt

Man habe nur wenige lohnende Startups gefunden, weil man sich alleine auf disruptive Ideen konzentriere, heißt es in der Mitteillung. Und dann äußert sich der Rulebreaker-Geschäftsführer Sven Gabot Janszky so deutlich, dass sich der O-Ton lohnt.

„Wir haben unter den Bewerbern ein buntes Spektrum der deutschen Startup-Szene gesehen“, sagt er: „Da waren visionäre Denker mit regelbrechenden Ideen, die sich aber leider zum ersten Mal aus Ihrem Labor wagten und deshalb noch keinen reflektierten Blick auf echten Kundennutzen hatten. Da waren ebenso viele selbstverliebte Szeneboys und Tagträumer mit völlig überzogenen Vorstellungen und anmaßenden Bewertungen für durchschnittliche Geschäftsideen. Da waren einige wenige, die den positiven Größenwahn hatten, mit ihrer Idee einen bisher nicht dagewesenen Nutzen für viele Millionen Menschen weltweit zu erschaffen. Und unter diesen wenigen gab es zwei Startups, die zudem noch die sympathische Bescheidenheit und unternehmerische Größe ausstrahlten, ihre eigene Person und Courage in den Dienst der Idee zu stellen.“ Diese beiden Startups seien zudem mit realistischen Finanzierungswünschen an die Investoren herangetreten.

In diesen bewusst drastischen Formulierung sind zentrale Kritikpunkte an der deutschen Startup-Szene recht süffig zusammengefasst. Ob damit die Rulebreaker kaschieren, dass sie hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben sind, steht auf einem anderen Blatt. In jedem Fall, kann sich ein Gründer diese Punkte durchaus an die Wand hängen und reflektieren, ob er in eine der genannten Kategorien passt.

Biotechnologie und Freelancer-Vermittlung haben überzeugt

Geld bekommen hat am Ende das chinesisch-kalifornische Startup X-Therma. Die chinesische Biochemikerin Xiaoxi Wei hat  am Lawrence Berkeley National Laboratory in Kalifornien eine nicht-toxische Molekülstruktur entwicket, die verhindert, dass Flüssigkeiten beim Gefrieren Kristalle ausbilden. „Sollte künftig die industrielle Produktion dieser Molekülstrukturen gelingen, sind global völlig neue Anwendungsfelder in verschiedenen Branchen denkbar: Vom Einfrieren von Stammzellen und Spenderorganen, über das vollständige Ersetzen der heute hochtoxischen Flüssigkeiten beim De-Icing von Flugzeugen bis zu frozen food bei Salat und einer super-creamy Eiscreme“,  heißt es in der Begründung.

Als heimisches Startup aus Hannover wurde das Startup Smartjobr finanziert.  Hier binde man auf intelligente Weise Freiberufler und und Auftraggeber zusammen und biete ein intelligentes Paket vom Finden über die Buchung bis zur Auftragsabwicklung. Beide Startups hätten auch dadurch überzeugt, dass sie den Weltmarkt erobern wollten.

Innovative Problemlöser gesucht

Mitte November startet jetzt die zweite Investorenrunde. Der Rulebreaker-Geschäftsführer und Seriengründer Oliver Blume hat dafür auch wieder einen Sinnspruch formuliert: Wir suchen Gründerteams jeden Alters, die einen Plan haben, wie ein großes Problem vieler Menschen gelöst werden kann. Je größer die Anzahl der Menschen ist, die dieses Problem haben, desto besser! Wir suchen keine Experten im Schreiben von Businessplänen, sondern innovative Problemlöser.“

Noch mehr Innovationen...

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