David braucht Goliath

DavidSo hat der französische Künstler Guillaime Courtois im 17. Jahrhundert sich auf die Seite Davids geschlagen. Foto: Wikimedia Commons

DAS WORT ZUM MONTAG. David hat immer Recht, dieser eingefleischte Reflex gegenüber wirtschaftlicher Macht ist legitim. Doch klein sein allein, ist noch keine Tugend. Groß denken gehört zum ökonomischen Erfolg.

Hat David immer recht gegen Goliath? Dieser Gedanke ist mir jüngst angesichts der öffentlichen Wahrnehmung des Streits von VW mit seinen Zulieferern gekommen. Genau genommen, nachdem ein Kollege berichtete, wie heftig er in Leserkommentaren  angegangen worden war, weil er die Schuld nicht allein beim großen, bösen VW-Konzern sah. Das ist ein durchaus normaler Reflex: Größe macht misstrauisch. Das gilt ganz besonders für den Bereich des Internet und der Informationstechnologie wo die großen Firmen Apple. Amazon, Facebook, Google oder Microsoft allein durch ihre Dominanz für Misstrauen gegenüber ihren Absichten sorgen – inbesondere  in Deutschland.
Und es hat ja auch einen Grund, warum es Gesetze und Kartellbehörden gibt, die großen Firmen Grenzen aufweisen. Große Konzerne – die „Multis“ wie man sie einst gerne nannte – müssen in der Tat genau kontrolliert werden. Macht korrumpiert und verführt. Doch wenn „David hat Recht“ zum Reflex wir, wenn schierer wirtschaftlicher Erfolg pauschal als amoralisch gilt, ist eine Linie überschritten.  Auch mächtige Firmen haben ein Recht darauf,  fair und objektiv betrachtet zu werden. Klein sein ist an sich noch keine Tugend, auch wenn das sympathischer ist.

David kann nicht alles

Die vielen Kleinen hier zu Lande, hätten keine Chance wenn es nicht die Großen gäbe – in Baden-Württemberg etwa die Konzerne rund um das Automobil. Größe heißt auch: Viele Arbeitsplätze, globale Reichweite, Forschungspotenzial, Vorbildrolle bei Löhnen und Sozialleistungen. Und insbesondere im IT-Bereich gilt: Erst Netzwerkeffekte machen manche Angebote möglich. Googles Server sind gigantisch – und nur dank dieser globalen Reichweite sind Informationen so schnell und so günstig zu bekommen. Ein soziales Netzwerk wird erst zum Netzwerk, wenn es wirklich groß ist, wie Facebook zeigt.
Das heißt nicht, die Schattenseiten dieser Konzentration zu missachten. Es ist problematisch, dass es etwa für die beiden genannten Internetgiganten aus den USA keine echte Konkurrenz gibt. Aber dass sie zu Riesen geworden sind, liegt auch in der Natur der Sache.
Das  lässt sich  auf die Frage übertragen, warum etwa Startups aus Deutschland oft nicht ganz groß werden (wollen), warum global ambitionierte Firmen wie Rocket Internet den Menschen in Deutschland erst einmal pauschal unsympathisch sind. Das Problem ist nicht die Skepsis – es ist ihre Pauschalität.  „David hat immer Recht“, vielleicht steckt darin auch ein kultureller Faktor, der den einen oder anderen Gründer hier zu Lande davon abhält,  groß denken zu wollen. Wenn das eigene Umfeld so etwas für böse hält, ist das keine Ermunterung.
David hat gewonnen, Goliath ist tot. In diesem Sinne sorgt die Bibel für Gerechtigkeit. Ein Heiliger muss der Sieger deshalb nicht immer sein.

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