EnBW-Innovationsprojekt – erste Bilanz

EnBW-InnovationsprojektBei EnBW geht es um neue Wege zu lukrativen Geschäftsmodellen. Foto: EnBW

Das Corporate Startup Meetup (CSM), wo sich Vertreter etablierter Firmen mit Startups treffen,  ist in Stuttgart  inzwischen eine feste Größe. Im Programm war diesmal auch eine Zwischenbilanz für das  EnBW-Innovationsprojekt.

Christine Wienhold, Innovationsmanagerin bei der EnBW, fasste in den Accelerate Spaces in Stuttgart  ihr Fazit von drei Jahren Innovationsprojekt in Schlüsselzahlen. Es gab bisher neun durch die Mitarbeiter gegründete Unternehmen, von denen sieben noch existieren. Es gibt drei Investitionen in externe Startups durch einen mit 100 Millionen Euro bestückten Risikokapitalzweig, zunächst als Minderheitsbeteiligung. Und  es sind vier Zukunftsfelder definiert, auf denen der durch die Energiewende in seinem bisherigen Geschäftsmodell erschütterte Energiekonzern nach neuen Wegen zum Geldverdienen sucht: Vernetztes Haus, zukünftige Mobilität, smarte Stadt und das Konzept des virtuellen Kraftwerks, also einer intelligenten Steuerung der inzwischen 1,6 Millionen kleinen Kraftwerke in Deutschland, die heutzutage statt früher  drei Dutzend Großkraftwerken Strom ins Netz speisen.

Entrepreneure  finden sich nicht so einfach

EnBW ist in Baden-Württemberg, auch durch wirtschaftliche Zwänge bedingt, einer der Pioniere gewesen, der ein umfangreiches, an der Startup-Kultur orientiertes Innovationsprogramm aufgesetzt  hat. So gibt es beispielsweise für Mitarbeiter die Möglichkeit, sich für sechs Monate während eines Tages freistellen zu lassen, um an einer Geschäftsidee zu arbeiten, die anschließend dann gegebenenfalls in dem unternehmenseigenen Innovationscampus weiterentwickelt wird.
Dennoch sei das schwierigste beim EnBW-Innovationsprojekt der kulturelle Wandel: „Mitarbeiter mit Unternehmergeist können sie nicht einfach pflücken“, sagte Wienhold auf die Frage, wo denn der interne Nachschub an Entrepreneuren komme. Und am  Frustrierendsten sei es, wenn auch drei Jahre nach dem Start des Programm noch das Vorurteil zerstreut werden müssen, dass man, in Anspielung auf spielerische Startup-Methodiken, auf dem EnBW-Campus „irgendetwas mit Legosteinen“ mache oder „nur Geld verbrenne“.

Das EnBW-Innovationsprojekt ist fest etabliert

Dennoch sei das Programm fest etabliert und werde im Augenblick auf eine noch breitere Grundlage gestellt. Nachdem erste Projekte wie eine intelligente Straßenlampe marktreif geworden seien, habe man erkannt, dass es nicht mehr nur genüge, ein bewegliches Startup-Team zu haben. „Es geht nun wirklich darum, ein Unternehmen auch groß zu machen“, sagte Wienhold. Hier seien wieder andere Strategien und Fertigkeiten gefordert, als beim ersten Hochziehen einer Gründeridee: „Wir wollen, dass aus einem Tüftlerteam ein Wachstumsteam wird.“
Auch der Umgang mit Kunden aus den Kommunen oder den Abfallwirtschaftsbetrieben sei ein ganz anderer als man es von Startups kenne, die sich an Endkonsumenten richten. „Und wir müssen auch noch einen Weg finden, wie wir Mitarbeiter, die erfolgreich gegründet haben, am Erfolg ihrer Unternehmen beteiligen“, sagte Wienhold.
Für das EnBW-Innovationsprojekt will man noch mehr Ressourcen für den Aufbau des Vertriebs zur Verfügung stellen: „Wir sind als Energieversorger bisher in Baden-Württemberg aktiv. Doch wenn es um neue Geschäfte geht, muss man national oder sogar international denken.“  Auch bei den Investitionen in externe Startups will EnBW künftig noch weitergehen. Künftig soll es auch Mehrheitsbeteiligungen geben, wenn die Startups strategisch gut zum Geschäft passen. Neben der Gründung von drei internen Startups sei in diesem Jahr  noch der Einstieg in drei weitere Unternehmen geplant.

Zwei Sieger im Startup-Wettbewerb

Zum Programm des Corporate Startup Meetup gehörte wie üblich ein Startup-Präsentationswettbewerb, bei denen sich Teilnehmer für ein großes Finale im Sommer qualifizieren können, wo es sogar zwei Tickets ins Silicon Valley zu gewinnen gibt – erst einmal nur zu Besuch.
Nach einer 30 Sekunden langen Schnellpräsentation gingen in der zweiten Rund als Sieger zwei recht gegensätzliche Startups aus Stuttgart hervor: Foodoracle hat sich zum Ziel gesetzt, durch clevere Prognose-Algorithmen, die Verschwendung von Essen in Mensen und Großküchen zu minimieren. Man will deutlich präziser vorhersagen, was tatsächlich gegessen wird. Hier geht es zunächst weniger um das lukrative Essensmodell als den gesellschaftlichen Nutzen. Der zweitplatzierte Consider James nutzt hingegen  die totale Flexiblisierung in der digitalisierten Ökonommie. Man will stundenweise Hilfskräfte vermieten, bisher vor allem im Veranstaltungs- und Gastronomiebereich. Es soll so flexibel sein, dass ein Student, dem gerade eine Vorlesung ausgefallen ist, sich kurzfristig als Arbeitskraft anbieten kann. Die Mitarbeiter werden mit Sternchensystem bewertet, sie würden aber auch durch die Vertragskonditionen geschützt, hieße es. „Nicht vergessen: Ihr habe es mit Menschen zu tun“, sagte bei der Preisübergabe einer der Juroren – den dennoch das bereits ausgereifte Geschäftsmodell überzeugt hatte.

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