Code_n Spaces in Stuttgart – der Ideen-Mixer

Code_n Spaces in StuttgartIn den Code_n Spaces gibt es viele offene Flächen für lockere Meetings. Foto: Lichtgut/Willikonksky

IdeenwerkBW-Schwerpunkt Herausforderung Innovation (5): Seit 2015 gibt es im Industriegebiet Fasanenhof, das Innovationszentrum Code_n Spaces  in Stuttgart. In dem sich stetig ausbreitenden Komplex sucht man eine möglichst fruchtbare Mischung aus Startups, Etablierten und kreativen Köpfen.

Einen Unort hat Initiator Ulrich Dietz vom Stuttgarter IT-Dienstleister GFT die Ecke im Gewerbegebiet Stuttgart-Fasanenhof einmal genannt. Eine Ansammlung von zusammengewürfelter Industriearchitektur, Parkplätze, Stadtbahngleise, Hochspannungsleitungen, Beliebigkeit. Doch seit mehr als drei Jahren wächst hier ein in der Region immer noch einmaliges Innovationsnetzwerk. Code_n Spaces heißt das Ensemble, das mit einer kreativ gestalteten Etage am neuen Stammsitz von GFT begann, sich erstmals 2017 in ein Nachbargebäude ausgebreitet hat und dort nun Stockwerk um Stockwerk, je nach dem Auszugsdatum der Vormieter, in Beschlag nimmt.

„Jedes Jahr sind fast pünktlich zum selben Datum weitere Flächen dazugekommen“, sagt Code_n Geschäftsführer Moritz Gräter. Code_n ist die einst von GFT initiierte und inzwischen rechtlich und kommerziell selbstständig agierende Innovationsplattform, die vor sieben Jahren Jahren mit einem Startup-Wettbewerb und einer Präsenz auf der IT-Messe Cebit in Hannover begann. Inzwischen gibt es hier auf 2000 Quadratmetern und drei Stockwerken insgesamt 26 Büros und 15 Gemeinschaftsflächen wie Lounges, Eventbühnen und Teeküchen. Die Räumlichkeiten sind Bestandteil eines ganzen Innovations-Ökosystems: Zu Code_n gehören auch noch ein Startup-Wettbewerb, Events und ein globales Netzwerk an Startups.

Code_n Spaces in Stuttgart verbinden Menschen und Technologie

Und wenn natürlich Lümmelsessel, Tischkicker oder Kreativecken nicht fehlen dürfen – ein Startup-Zentrum lebt von ganz anderen Qualitäten. Für Gräter ist es vor allem die richtige Mischung an Menschen, Unternehmen und Konzepten. Durchgehend geht es hier um Hightech: Um  Smartwatches für die Industrie (Aucobo), um Kommunikation zwischen Frühgeborenen und ihrer Mutter (Babybe), um Blickverfolgung (Blickshift), besseren Dialog mit dem Gast in Hotels (Code2Order), eine Kommunikations-App für Unternehmen (Flip),  neuartige, tragbare Batterien (Instagrid),  Simulationen (Truphysics) oder Lösungen für die Finanzbranche (Value Concepts).

Aber auch Daimlers Innovationslabor Lab1886, der von der L-Bank und lancierte Investmentfonds LEA Partners oder Axon Insurtech, ein Spezialist für Technologielösungen in der Versicherungsbranche  sowie weitere Berater und Investoren sind vor Ort. Nicht alle sind Dauermieter, andere kommen für ein paar Wochen und Monate für bestimmte Projekte, wieder andere sind punktuell für Veranstaltungen zu Gast. Mit zurzeit 18 Mitarbeitern im Fasanenhof ist das Lab1886 kein größeres Schwergewicht als das größte Startup Truphysics mit 14 Personen.

Die Räumlichkeiten sind auf Expansion angelegt

Viel wichtiger als architektonische Gags, die in der vorhandenen Baustruktur auch gar nicht möglich sind, ist bei  den Code_n Spaces in Stuttgart die Möglichkeit ein atmendes Systems zu sein. „Wenn die Startups wachsen, wollen wir ihnen die nötigen Flächen zur Verfügung stellen.“ Bisher sind die größeren  Startups auf etwas mehr als ein Dutzend Mitarbeiter angewachsen. „Aber wir wollen hier schon einmal Flächen auch für 50 Mitarbeiter anbieten können.“ Entscheidend für das Konzept ist, in Bewegung zu bleiben. Neue Ideen, neue Menschen, neue Flächeln. Immer ist auch ein Puffer vorgesehen, dass Rochaden funktionieren können: Dann wird eben ein Worskhop-Raum zum Startup-Büro.

Erst vor kurzem ist das Startup Flip ins aktuelle Zehn-Personen-Büro umgezogen. Das Ambiente ist schlicht. Kahler Beton, offene Leitungen, ein paar Schreibtische und Korktafeln. Dass da an einer Ecke ein rosa Post-it-Zettel mit dem Stichwort Party klebt, ist noch das wildeste Accessoire. Geschäftskunden sind auch hier wie bei allen Startups hier die Zielgruppe. Flip bietet eine Kommunikations-App an, welche die Vorzüge von Facebook, Whatsapp und dem Google-Kalender kombinieren soll, die leicht zu bedienen ist, und die gleichzeitig für jedes Unternehmen einen geschützten Kommunikationsraum bietet.

Startups helfen sich gegenseitig mit Tipps

Anfang des Jahres 2018 ist das 2015 gegründete Unternehmen nach dem Tipp eines Kunden in den Code_n-Spaces gelandet. Zuvor hatte man ein Büro auf dem Firmengelände, danach war man auf der Suche nach einem eigenen Büro. „Wir haben aber immer auch etwas gesucht, wo man in Kontakt mit anderen Firmen kommt, die ähnliche Fragen und Probleme umtreiben,“ sagt Mitgründer und Geschäftsführer Benedikt Ilg.  Man schaute sich so genannte Coworking-Büros ab, wo sich Mieter aus unterschiedlichsten Branchen die Fläche teilen. „Aber da trifft man eher Freiberufler oder höchstens kleine Teams von drei oder vier Leuten,“ sagt Ilg.

„Das was es hier gibt, ist in der Region Stuttgart immer noch einmalig“, sagt Gräter. Es gebe andere Projekte, mit ähnlichen Bausteinen, aber die spezifische Mischung habe bisher noch niemand kopiert. Die Code_n Spaces haben zwar als ursprünglichen Initiator GFT, aber das Konzept ist offen. „Wir haben kein Oberthema wie Finanztechnologie oder Mobilität“, sagt der Code_n-Geschäftsführer. Hochtechnologie und eine Orientierung an Geschäftskunden ist der Rahmen.

Mit dem Einstieg in die Code_n Spaces bindet sich auch niemand an einen Förderer: Etablierte Firmen stehen auf Augenhöhe mit den Startups. Der Schlüssel sei es, immer wieder zu erspüren, wie man Leute zusammenbringen könne, die sich gegenseitig helfen könne. Wenn also Besuch aus einem Konzern da ist, dann erfahren auch die Startups davon.

In den Code_n Spaces in Stuttgart sind die Türen offen

Bei den Code_n Spaces in Stuttgart gilt das Prinzip der offenen Tür – vor allem auch bei den Startups untereinander. Es gebe viele Bereiche, wo man gegenseitig von Wissen und Erfahrungen profitieren könne. Das gilt beispielsweise für die Technologie. Flip benützt eine innovative Software, welche die Vorteile einer App mit einer Webseite kombiniert. Ein anderes Startup, Code2Order, das die Kommunikation zwischen Gast und Hotel auf das Smartphone bringt, nutzt es auch. Ich helfe dir, du hilfst mir – das ist die Währung in der das funktioniert.

„Wir sind hier auch alle beim Unternehmensaufbau in einem ähnlichen Stadium“, sagt Flip-Mitgründer Ilg. Neue Mitarbeiter einstellen, Verträge formulieren, Rechtsberatung suchen. „Wenn du wissen willst, ob ein Berater etwas taugst, gehst du einfach zu den anderen und fragst, ob sie schon einmal Erfahrungen.“ Und dann gibt es natürlich noch die Gespräche in der Kaffeeecke, wo mal das eigene Geschäftsmodell hinterfragt wird – mit der tröstenden Erfahrung, dass auch andere Startups sich ein paarmal neu erfinden mussten.

Das Gewerbegebiets-Ambiente stört niemanden

Ilg vermisst es überhaupt nicht, dass er vor der Tür nicht von hippen Cafés und coolen Treffpunkten umgeben ist. „Wissen Sie, wir sind hier, um zu arbeiten und nicht, um Spaß zu haben“, sagt der Gründer, der wie die meisten frühen Mitstreiter aus Schwaben kommt. Es sei doch ein Mythos, dass es Startup-Gründern vor allem um das Lebensgefühl gehe.

Es gebe in der Nähe der Code_n Spaces in Stuttgart genügend Grün, um mal eine Besprechung auf einem Spaziergang abzuhalten und auch über die Essensmöglichkeiten könne man nicht klagen – schließlich wurde in das Gebäude mit der ursprünglichen Code_n-Etage  von vorne herein ein gepflegtes Restaurant integriert. „Und als Geschäftsführer eines Startups ist man auch froh darum, dass man sich hier nicht selber darum kümmern muss, ob die Kaffeemaschine funktioniert“, sagt Ilg.

Das New.new Festival in Stuttgart
Vom 8. bis 10. Oktober wird die Plattform Code_n in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle ein so genanntes Innovationsfestival veranstalten. Rund 10000 Besucher, mehr als 200 ausstellende Unternehmen, darunter über 100  Startups sollen hier in einem von Kommunikation geprägten Veranstaltungsformat, Ideen für ihre Zukunft finden. Die Redner und Podienteilnehmer kommen aus 20 Ländern.
Einer der Schwerpunkte ist das Thema Künstliche Intelligenz. Höhepunkt des Festivals ist ein  Start-up-Wettbewerbs, in dessen Rahmen 50 Finalisten aus Ländern wie Brasilien, Südafrika, den USA oder Deutschland präsentieren.  Die Start-ups präsentieren Lösungen zum Beispiel rund um Cybersicherheit, Blockchain-Technologie sowie Anwendungen zur Vereinfachung industrieller Prozesse mithilfe von Augmented Reality. Der Wettbewerb ist insgesamt mit 30 000 Euro dotiert.
Auf dem Festival präsent sind neben der baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut eine Reihe von Partnern aus Baden-Württemberg. Neben der Stadt Stuttgart sind es GFT Technologies, Datev, EY, Fraunhofer, EnBW, Kärcher, MHP, W&W brandpool sowie CyberValley, Birds on Mars, IBM Deutschland GmbH, Recaro, Trumpf, ZF Friedrichshafen und BridgingIT. Auch Daimler beteiligt sich unter anderem mit dem Innovationslabor Lab1886.

Die weiteren Folgen der Serie erschienen am 23.8.(Porsche Consulting), 28.8. (Daimler Lab1886), 3.9. (Daimler FC Think! Tank) und 7.9. (Innovation in der Region Stuttgart).

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