Chillchoc: Abwarten und Hanf-Kakao trinken

Chillchoc; StuttgartChillchoc verspricht Entspannung - dank einer Prise Cannabis. Foto: Chillchoc

Das Stuttgarter Startup Chillchoc stellt Kakao mit dem Hanf-Wirkstoff Cannabidiol her – und unterstützt mit dem Erlös Kakaobauern in den Herkunftsländern.

Deadlines, Termine, Freizeitstress – wie soll der moderne Mensch nur zur Ruhe kommen? Das hat sich auch ein junges Stuttgarter Startup gefragt und eine Lösung gefunden: Kakao trinken und enspannen. Seit vergangenem Jahr ist das Startup mit seinem Produkt Chillchoc auf dem Markt, einem Kakaogetränk, das ausschließlich natürliche Zutaten enthält und den ganz besonderen Zusatz: Cannabidiol.

Chillchoc kombiniert Kakao und eine Cannabiskomponente

CBD, so die Kurzform des Wirkstoffs, ist neben Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabinol (CBN) eine der drei Hauptkomponenten in Cannabis. Im Gegensatz zu THC macht CBD nicht high und ist legal. CBD soll Ängste abschwächen und eine stimmungsaufhellende Wirkung haben, außerdem Krämpfe lösen und entspannen. CBD wird deshalb seit einiger Zeit bei Epilepsie oder gegen Regelbeschwerden eingesetzt. Die Wirkungsweisen werden derzeit immer genauer erforscht.

In anderen Ländern hat man den Wirkstoff längst schon als Lifestyle-Produkt entdeckt. Es gibt Drinks, Öl und Cremes mit CBD.

Auch Dave Tijok und Burkhard Stackelberg, die beiden Erfinder des Kakaogetränks, sind auf den Wirkstoff aufmerksam geworden. „Es gibt so viele aufputschende, koffeinhaltige Getränke. Wir haben uns gefragt, weshalb es nichts gibt, durch das man zu sich findet und ruhig wird“, sagt Tijok.

Am Anfang des Startups allerdings stand gar nicht die Idee, ein Getränk zu erfinden, sondern schlicht der bescheidene Wunsch „die Welt zu retten“, sagt Tijok und lacht. Das Unternehmen, das hinter Chillchoc steckt, war zuerst da und heißt „Dein Stück Erde“.

Ackerböden wieder nutzbar machen

Zur Entstehungsgeschichte: Tijok ist Chemiker und Stackelberg promovierter Physiker. Als sie die maroden Zustände der Ackerböden einiger (Kakao-)Bauern in Südamerika entdeckten, haben sie angefangen an einer Möglichkeit zu forschen, brach liegende Erde wieder fruchtbar zu machen. Dadurch sind sie auf Terra Preta gestoßen, eine selbstzüchtbare Schwarzerde, die Böden wieder gesund und für die Landwirtschaft nutzbar macht. „Auf gesunder Erde wachsen gesunde Pflanzen für ein gesundes Essen, das gesunde Menschen schafft. Ohne fruchtbare Erde gibt es auch keine Lebensmittel in vielen Teilen der Welt“, so der Ansatz des Startups.

Das jahrtausende alte Verfahren, das aus unproduktiven Böden landwirtschaftliche Nutzflächen machen kann, ist in den vergangenen Jahren wiederentdeckt worden. Bei Dein Stück Erde kann das von Tijok und Stackelberg hergestellte Terra Preta gekauft werden – für Topfpflanzen und den eigenen Garten etwa. Die beiden sind aber auch auf der ganzen Welt unterwegs, um ihr Wissen weiterzugeben. Durch falsche landwirtschaftliche Nutzung von Böden gehen jährlich viele Hektar Land verloren. „Durch pflanzenkohlebasierte Substrate ist Bodenaufbau möglich“, so Tijok.

Erlös kommt Anbauländern des Kakaos zugute

Und dann kam Chillchoc dazu. Chillchoc soll natürlich schmecken und entspannen, ist aber auch ein weiterer Schritt, solche Open-Source-Projekte zu unterstützen. Teile der Erlöse des Verkaufs des Kakaogetränks fließen in die Hilfe zur Bodenverbesserung und -wiederaufforstung in den Anbauländern des Kakaos. Chillchoc unterstützt vor allem kleine und mittelständische Landwirte durch die Wissensvermittlung. Aktuell wurden bereits Open-Source-Projekte in Sri Lanka, Brasilien und Peru angestoßen.

„Wir sind vom Selbstverständnis ein Social Business. Wir wollen zwar von unserer Arbeit leben können, aber nicht um jeden Preis reich werden, wir achten vielmehr darauf, dass wir keine Spur der Verwüstung hinterlassen, sondern im Gegenteil zu einem besseren, gesünderen Leben beitragen – nicht nur beim Kunden, sondern auch bei den Lieferanten, und dort, wo unsere Rohstoffe herkommen“, so steht es auf der Homepage von Dein Stück Erde.

Mit Chillchoc möchten Tijok und Stackelberg die Bedürfnisse beider Welten vereinen: der Stress auf der einen Seite und die Hungersnot auf der anderen.

Unterstützung durch das Social Impact Lab in Stuttgart

Unterstützung bekommen die beiden Gründer von ihrem Team bestehend aus Christian Veit, Laura Rothgang und Lena Glässel. Gemeinsam arbeiten sie im Stuttgarter Osten im Social Impact Lab an ihren Produkten, einem Co-Working-Space für Ideen mit sozialem Aspekt. Jedes der Teammitglieder bringt etwas eigenes mit. „Wir Gründer sind die Tüftler, haben aber überhaupt keine Ahnung von Design. Am Anfang sah die Verpackung wirklich verboten aus“, gesteht Tijok.

Heute ist das dank der Hilfe im Team anders. In einem sind sich die fünf aber einig: „Uns verbinden die gleichen Grundwerte – wir möchten etwas bewegen“, sagt Veit.

Die Zukunft des Kakaos

Die nächsten Schritte müssen deshalb gut geplant werden. Die Crowdfunding-Aktion für die Finanzierung ist schon eine Weile durch, jetzt ist das Startup auf Messen unterwegs, sucht Vertriebswege und Partner, die zum Produkt passen. Im Moment gibt es Chillchoc in vier verschiedenen Geschmacksrichtungen auf der eigenen Homepage zu kaufen, in Stuttgart außerdem im Café Gustav im Westen und in der Kichererbse.

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