Campusjäger – Dating für die Karriere

CampusjägerCampusjäger setzt auf Studierende und ein Matching-Modell. Foto: Benedikt Saretz/Campusjäger

Die Suche nach Angestellten wird zunehmend digitalisiert. Das schnell wachsende Karlsruher Startup Campusjäger will den Weg zum Berufseinstieg weiter systematisieren.

Dass viele Unternehmen keine passenden Bewerber finden, liegt häufig nicht am Fachkräftemangel, sondern an einem veralteten Rekrutierungssystem, das qualifizierte Studierende und Hochschulabsolventen einfach nicht erreicht. So glauben jedenfalls die Gründer von Campusjäger – einem Startup aus Karlsruhe, das Firmen mit arbeitssuchenden Studierenden und Absolventen zusammenbringt.

Der Prozess funktioniert im Grunde ein wenig wie bei einer Dating-Seite. Firmen laden auf Campusjäger ihre Stellenausschreibung hoch und setzen ein Profil der gewünschten Bewerber zusammen. Die Studierenden hingegen binden ihren Lebenslauf von den beruflichen Netzwerken Xing oder LinkedIn auf Campusjäger ein, laden Zeugnisse hoch und stellen Suchanfragen nach dem gewünschten Job oder Praktikum.

Und dann fängt das so genannte Matching an: Den Arbeitgebern werden passende Kandidatinnen und Kandidaten gezeigt, den Studierenden passende Stellen. Angepasst wird die Suche unter anderem nach Verfügbarkeitszeitraum, Gehaltsvorstellungen, geographischer Entfernung, Kompetenzen, Erfahrungen oder Sprachkenntnissen. Das interne System ermöglicht den direkten Kontakt zwischen beiden Seiten.

Campusjäger ist ein schnell wachsendes deutsches Startup

Campusjäger ist nicht allein. Das Headhunting digitalisiert sich zunehmend. Laut einer Studie der Jobbörse Monster aus dem Jahr 2017 ist dessen klassische Form, wo ein Spezialist auf die Suche nach qualifizierten Bewerbern geht, auf dem Rückzug. 68 Prozent aller vakanten Stellen werden dieser zufolge heute auf Jobportalen im Internet ausgeschrieben. Das Wiener Startup Firstbird zum Beispiel, das zurzeit den Markt in Baden-Württemberg erschließen will, setzt ebenfalls auf die Systematisierung des Headhunting.

Hier geht es darum, die Mitarbeiter der Firmen in den Rekrutierungsprozess miteinzubeziehen. Mithilfe einer Prämie werden sie dazu motiviert, die Stellenausschreibungen in ihren privaten sozialen Netzwerken zu teilen. Auch für Campusjäger scheint das Modell sich zu lohnen. Im aktuellen Wachstumsranking 2017/18 des Magazins Gründerszene, das kürzlich die 50 deutschen Startups mit dem höchsten Umsatzwachstum (CAGR) für die Jahre 2014 bis 2016 auflistete, standen die Karlsruher auf Platz 21.

Die meisten Bewerber sind aus Baden-Württemberg

Bisher sind nach Angaben von Campusjäger mehr als 800 Firmen auf der Plattform, hauptsächlich aus Bereichen wie Betriebswirtschaft, Informatik oder Marketing. Insgesamt gibt es etwas mehr als 900 aktuelle Angebote. Auf der anderer Seite seien dort über 26 000 Kandidatinnen und Kandidaten auf der Suche nach Praktika, Werkstudentenjobs oder dem Berufseinstieg. Dabei befindet sich der größte Teil der interessierten Studierenden und der bewerbenden Unternehmen zugleich in Baden-Württemberg.

Mehr als 1000 Stellen habe Campusjäger bereits erfolgreich vermittelt – eine unerlässliche Voraussetzung für den Erfolg des Startups, der die Anmeldung auf der Seite für alle kostenlos anbietet. Das Geschäftsmodell ist das eines Maklers: Erst wenn die ausgeschriebene Stelle besetzt wurde, wird Campusjäger von der anbietenden Firma bezahlt.

Künstliche Intelligenz und eine lernfähiger Algorithmus

Im Grunde verläuft bis auf die Terminvereinbarung zum Vorstellungsgespräch alles automatisiert. Die aktuellen Prozesse der Personalvermittlung seien sehr altbacken, sagt Campusjäger-Mitgründer Martin Trenkle. Das Startup sei hingegen extrem technologiegetrieben. „Durch Ab- oder Zusagen des Kunden lernt der Algorithmus welche Bewerber und Jobs besonders gut zueinander passen und funktioniert daher selbstlernend immer genauer“, sagt er.

Sogar das berühmt-berüchtigte Motivationsschreiben, Voraussetzung für viele Stellen, wurde bei Campusjäger vereinfacht. Die Arbeitgeber können im System einige Fragen festlegen, welche die Bewerber dann gleich im System des Campusjäger beantworten. „Unserer Meinung nach hat das klassische Motivationsschreiben ausgedient“, sagt Trenkle.

Die Gründer sind jung gestartet

Angefangen hat alles Ende 2013. Trenkle und Jannik Keller, damals 20 und 19 Jahre alt, standen kurz vor ihrem Studium in Wirtschaftsingeneurswesen. „Wir dachten, dass wir eine große Firma gründen wollen, die einen Mehrwert schafft“, sagt Trenkle. Einige Monate später kam Matthias Geis, damals 23, dazu.

Sein Studium hat Trenkle inzwischen auf Eis gelegt – das war vor zwei Jahren. „Vielleicht wenn ich wieder Zeit habe, werde ich es wieder aufnehmen“, sagt er, „das glaube ich aber nicht.“ Campusjäger ist ein Vollzeitjob. Außerdem: „Es macht mehr Spaß.“

Hintergrund: Recruiting am modernen Arbeitsmarkt
Eine Studie des Karriereportals Xing besagt, dass 60 Prozent der Personaler mehr in sogenanntes Employer Branding investieren wollen – das heißt, bei der Kommunikation der Unternehmensmarke nicht nur die Zielgruppe des Unternehmens, sondern verstärkt potenzielle neue Mitarbeiter erreichen.
Employer Branding findet vor allem in sozialen Netzwerken statt, gleichzeitig setzen viele Unternehmen auch auf neue Medienkanäle als Vehikel in Bewerbungsverfahren. Die Supermarktkette Rewe nutzt mittlerweile Snapchat, um die jüngste Generation am Arbeitsmarkt mit Stellenangeboten zu erreichen. Bewerbungsinterviews via Skype oder Whatsapp sind ohnehin längst an der Tagesordnung. Genau wie die Optimierung von Stellenausschreibungen fürs Smartphone. Statt Bewerbungsmappen per Post sind heute bei einigen sogar Ein-Klick-Bewerbungen möglich – vorausgesetzt, der Jobsuchende hat ein Xing-Profil angelegt.
Es gibt auch eine Spezialisierung auf bestimmte Berufsgruppen. Das Frankfurter Startup Legalhead hat sich beispielsweise auf Personalsuche für Juristen spezialisiert. Die Berliner Comatech wiederum betreibt eine Plattform für Managementberater. Auch der Zeitarbeitsgigant Manpower will digital aktiv werden.

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