Bwcon und die Uni Berkeley rücken zusammen

Bwcon und die Uni BerkeleyDas Team vom Cloud-Startup Covexo aus Mannheim startet dank der Kooperation in Kalifornien durch. Foto: Bwcon

Die baden-württembergische Wirtschaftsiniative Bwcon und die Uni Berkeley in Kalifornien kooperieren. Nun hat die erste Veranstaltung zum Thema Künstliche Intelligenz in Stuttgart stattgefunden – und ein IT-Startup aus Mannheim wird in den USA schon für den großen Durchbruch fit gemacht.

Um die Ecke denken, so könnte man das Motto des Workshops zum Thema Künstliche Intelligenz umschreiben, zu dem die baden-württembergische Wirtschaftsinitiative Bwcon am Stuttgarter Flughafen geladen hat. Das Besondere: der zweitägige Kurs an dem Vertreter etablierter Unternehmen und Startup-Gründer teilnehmen ist die Premiere für eine im Südwesten bisher  einmalige Kooperation.

Bwcon, das die Innovation in der baden-württembergischen Wirtschaft mit vorantreiben soll, hat jetzt einen Kooperationsvertrag mit der renommierten Universität Berkeley in Kalifornien. Damit hat man Kontakt zur Weltliga der Innovation und zu Programmen, die Hightech äußerst ambitioniert zum Marktdurchbruch bringen.

Im Silicon Valley ist der Technologietransfer dynamischer

Im Silicon Valley ist man bei der Umsetzung von neuen Technologien in Geschäftsmodelle deutlich schneller und weiter als die meisten hiesigen Hochschulen. Der erste Lernerfolg? „Die Amerikaner denken bei der Auswertung von Daten nie nur an die erste Anwendung. Sie denken immer gleich darüber hinaus – und da sehen sie oft die profitabelsten Geschäftsmodelle“, sagt Jürgen Jähnert, Geschäftsführer von Bwcon.

Ein Beispiel: Ein deutscher Autoingenieur würde zuerst daran denken, wie er ein autonomes Fahrzeug unfallfrei über die Straße schleusen kann und versuchen, eine darauf zugeschnittene Lösung zu entwickeln. In Berkeley stellt man sich sofort die Frage, was dieser fahrende Roboter nebenbei für Daten einsammelt und wie man die auf ganz andere Weise zu Geld machen kann. Vielleicht könnte der Roboter ja auch den Straßenzustand an die Stadt melden?  Oder Daten vorbeifahrender Fahrzeuge an Läden übermitteln? Bei solchem, offenen Denken gibt es im auf konkrete Problemlösungen ausgerichteten  Südwesten Nachholbedarf.

„Die Leute hier sind sehr präzise, aber nicht so gut darin, ihre Ideen zu präsentieren“, sagt der nach Stuttgart gekommene Berkeley-Dozent Ikhlaq Sidhu über seine ersten Erfahrungen mit dem südwestdeutschen Publikum. Für die Kalifornier sei insbesondere die Möglichkeit attraktiv, dank des Austausches stärker in die Welt der Industrieproduktion und der Autoherstellung hineinzublicken.

Kooperation Bwcon und Uni Berkeley soll zu Visionen ermutigen

„Wir wollen hingegen diese Art des Denkens zu uns holen“, sagt Marc König, bei der Bwcon für die Abteilung Geschäftsentwicklung zuständig. Vor sechs Jahren hat er Sidhu am Rande einer Veranstaltung in Belfast kennengelernt und seither den Kontakt weitergesponnen. Genau solche Verbindungen, die nicht gleich einem vorgefassten Plan folgen, sind das, was man in Kalifornien unter kreativem Netzwerken versteht.

15 Partner weltweit hat Berkeley inzwischen gefunden. „Wir haben da keinen Masterplan, was wir abstrakt suchen. Uns kommt es  darauf an, dass die Menschen uns überzeugen.“ Das wichtigste sei, dass die Visionen ambitioniert sind.  „Wir suchen Leute, welche die Welt so sehen, wie wir sie selber nicht sehen“, sagt Sidhu. Zumeist sind es Kooperationsprogramme mit Universitäten. Die Zusammenarbeit mit Bwcon, einer wirtschaftsnahen und anwendungsorientierten Initiative sei deshalb anders und interessant. Die Baden-Württemberger  sind einziger Partner aus Deutschland.

Im Mittelpunkt stehen Blockchain und Künstliche Intelligenz

Der Kooperationsvertrag für Bwcon und die Uni Berkeley wurde Ende des vergangenen Jahres geschlossen. Man will Methoden und Technologien insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz und dem sicheren Internet-Transaktionssystem Blockchain  austauschen. Bwcon will die Expertise der US-Universität im Bereich der Startup- und Technologieförderung nach Baden-Württemberg bringen. Außerdem können baden-württembergische Startups in die USA reisen.  Vor dem Workshop in Stuttgart hat Bwcon für Startups drei Kurse zum Thema Unternehmensentwicklung oder Künstliche Intelligenz in den USA ausgerichtet, bei denen für die Teilnehmer die Flug- und Aufenthaltskosten übernommen wurden.

Einen Volltreffer hat man mit dem Programm schon gelandet. Das Startup Covexo aus Mannheim wurde als erster Teilnehmer aus Baden-Württemberg in das Förderprogramm Skydeck aufgenommen, einen so genannten Accelerator und  Inkubator. Die Universität Berkeley investiert in diesem Rahmen 100 000 Dollar und macht in einem sechsmonatigen Programm diese Startups fit für den großen Marktauftritt.

Startup aus Mannheim zieht das große Los

Beim jüngsten Cyber One, dem Hightechwettbewerb des Landes Baden-Württemberg, mussten sich die IT-Spezialisten von Covexo  im Finale noch unter anderem dem deutlich griffigeren Projekt einer Vermittlungsplattform für Handwerker geschlagen geben. Doch die Drittplatzierten von 2018 haben nun mit dem Ticket nach Berkeley ein noch größeres Los gezogen.

Covexo macht es möglich, dass nun auch Softwareentwicklung in der so genannten Internet-Cloud stattfinden kann. Nachdem es heute schon üblich ist, Software auf externen Computern zu betreiben, haben die Gründer dieses Prinzip an diese spezielle Anwendung angepasst. Während die Programmierer ihre Codes schreiben, wird jede Zeile automatisch im Hintergrund ins Internet  übertragen – das bringt mehr Rechenleistung und bedeutet weniger Wartezeiten.

Ohne die Kooperation von Bwcon und Uni Berkeley hätten es die Mannheimer Gründer wohl schwer gehabt, in Baden-Württemberg die nötige Betreuung und die notwendigen Investoren zu finden.

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