Power-Breitband für die Region Stuttgart

Breitband für die Region StuttgartAuch für die Stuttgarter Kreativbranche ist der Höchstleistungsrechner an der Uni ein echter Renner; Foto: Lichtgut/Zweygarth.

Stuttgart ist eine Hochburg der Animationsbranche, die den Höchstleistungsrechner der Uni Stuttgart nutzen will. Doch es fehlt ein Power-Breitband für die Region Stuttgart. Wirtschaftsförderer der Region wollen das nun ändern.

Datenlieferung wie mit dem Pizzaboten? Als das Stuttgarter Animationsstudio M.A.R.K 13 vor zwei Jahren Extra-Rechenpower brauchte, um rasch die aufwendigen Animationen für den Spielfilm Biene Maja zu erstellen, blieb für den Transport der riesigen Datenmengen tatsächlich kein anderer Ausweg als die Lieferung per S-Bahn: Zum Höchstleistungsrechenzentrum HLRS der Universität Stuttgart, immerhin einer der leistungsfähigsten Rechner weltweit, liegt nämlich keine Breitband-Datenleitung, die auch nur ansatzweise die nötige Kapazität hätte. „Die Biene Maja fährt S-Bahn? Sie soll auf einer modernen Datenleitung ankommen!“, sagt Walter Rogg, der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS), die am Dienstag eine Studie zu diesem Thema präsentiert hat.
Im Falle von „Biene Maja“ wurde der Super-Rechner für rund die Hälfte der notwendigen Rechenoperationen benutzt. Und die sind enorm. So benötigte der Hollywoodfilm „Dschungelbuch“ fast 2000 Terabyte an Daten – das sind 2 Billiarden oder eine zwei mit 15 Nullen.

Breitband für die Region Stuttgart als Wettbewerbsnachteil

Für die Region Stuttgart, die beim Thema Animation und Visuelle Effekte  einen weltweiten Ruf genießt und mit rund einem Viertel des in Deutschland gemachten Umsatzes als europäischer Spitzenstandort gilt, ist die fehlende Übertragungskapazität ein gravierendes Defizit – meinen die WRS und die  MFG Filmförderung Baden-Württemberg, welche die Studie ebenfalls ermöglichte. Was nützt sonst die Tatsache dass im Höchstleistungsrechenzentrum (HLRS) der Universität Stuttgart einer der zehn schnellsten Rechner der Welt auch für kleinere und mittlere Unternehmen zur Verfügung steht? Allein 13 renommierte Firmen aus dem Bereich Animation und visuelle Effekte, der mit der Gründung der Filmakademie Ludwigsburg vor 25 Jahren einen entscheidenden Schub erhielt, gibt es in Baden-Württemberg, die meisten davon in der Region Stuttgart. Wenn die Region weiterhin an so prestigeträchtigen Projekten wie der Fernsehserie Game of Thrones oder Hollywood-Produktionen wie Steven Spielbergs „Bridge of Spies“ oder Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“ beteiligt sein will, dann braucht es dafür auch mittelfristig die nötige Infrastruktur beim Breitband für die Region Stuttgart.
In der Studie ist nun ausgeleuchtet worden, wie  eine Breitband-Infrastruktur aufzubauen wäre, die nicht nur den Anforderungen dieser wachsenden High-Tech-Branche gerecht wird. Ein solcher, auf sehr spezielle Bedürfnisse zugeschnittener Anschluss ist für die kommerziellen Breitbandbetreiber wirtschaftlich bisher nicht attraktiv. Nur vier von zwölf für die Studie angefragten Telekom-Firmen waren überhaupt zu einem Angebot bereit. Am besten wäre deshalb ein regionales Glasfasernetz, das auf höchste Leistungsansprüche zugeschnitten ist und auf das die Animationsfirmen direkt zugreifen können. „Dies ist ein Zugang mit Modellcharakter, weit über den Animationsbereich hinaus“, sagt MFG-Geschäftsführer Karl Bergengruen. Und in den Worten von WRS-Geschäftsführer Rogg: „Dies gilt genauso für den Maschinenbau wie die Kreativwirtschaft, für die Autoindustrie wie den Einzelhandel.“ 

„Dark Fiber“ verspricht quasi unbegrenzte Kapazitäten

Dark Fiber“, also auf Deutsch „dunkle Faser“,  werden  Kabel genannt, bei denen der Nutzer der Leitung über die Übertragung entscheidet und nicht der Vermieter des Übertragungswegs. Diese so genannten „unbeleuchteten Kabel“ sind also unabhängig vom übrigen Kabelnetz und haben damit prinzipiell unbegrenzte Kapazität. Über einen speziellen Netzknoten in der Stuttgarter Innenstadt ließen sich dann die Firmen der Region gemeinsam in Richtung Universität Stuttgart-Vaihingen anbinden.
Die Kosten sind überschaubar: Mit zehntausend Euro Einmalinvestitionen und 1000 Euro Monatsgebühr je Nutzer ließe sich ein solches Netz finanzieren. „Das ist in privater Hand möglich“, sagt der IT-Experte Kurt Jaeger von der Firma Nepustil, welche die Studie erstellte. Einen öffentlichen Beitrag bräuchte es also nicht.
Damit das Wirklichkeit werden kann, müssen allerdings laut der Studie viele Partner zusammenarbeiten. Die Firmen selbst beispielsweise müssten bereit sein, ihre Nachfrage gegebenenfalls zu koordinieren. Hausaufgaben zu erledigen haben auch die Betreiber so genannter Kreativareale. Wenn sie mit einer Kabelinfrastruktur in Vorleistung träten, sodass Nutzer und Telekommunikationsfirmen nicht erst aufwendig planen müssten, dann helfe das allen Beteiligten, heißt es in der Studie. Auch die Telekomfirmen könnten bei ihren Planungen noch deutlich schneller werden. Monatelange Verhandlungsphasen und sich hinziehende Reaktionen auf Anfragen seien für die Kunden aus der Animationsbranche verwirrend.

Die öffentliche Hand hat eine wichtige Rolle

Entscheidendb beim Breitband für die Region Stuttgart ist allerdings die Rolle der öffentlichen Hand: Sie solle bei der Ausschreibung von neuen Arealen verbindliche Vorgaben für die Glasfaser-Infrastruktur machen – insbesondere auch für Reservekapazitäten, die erst in Zukunft angeschlossen werden könnten. „Wenn die Bauordnungen das vorschreiben, dann ist das Thema Breitband abgehakt“, sagt Michael Resch, der Direktor des HLRS-Rechenzentrums. Da öffentliche Institutionen ebenfalls eine solche Infrastruktur benötigten, könnten sie für entsprechende Angebote den Markt öffnen.
Auch öffentlich finanzierte Forschungsprojekte rund um das Höchstleistungsrechenzentrum könnten mithelfen. Mit dem neuen Media Solution Center, bei dem auch der IT-Standort Karlsruhe eng eingebunden ist und die Nutzung des HLRS durch die Medien- und Animationsbranche vorantreiben soll, ist ein erster Schritt in diese Richtung getan. Die MFG Filmförderung und die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart wollen als Koordinatoren die Entscheidungsträger in der Region dafür weiter mobilisieren.

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