Bosch und Here navigieren jetzt gemeinsam

Bosch und HereSo demonstriert Here die beim autonomen Fahren nötige Erkennung von Straßeninformationen. Foto: Here

Autonom fahrende Autos sind auf äußerst präzises Kartenmaterial angewiesen. Deswegen haben die drei Autohersteller Audi, BMW und Daimler 2015 den digitalen Kartendienst von Nokia übernommen. Nun gehen neben Continental auch Bosch und Here zusammen.

Die Autozulieferer Bosch und Continental steigen mit einem Anteil von jeweils fünf Prozent beim ­digitalen Kartendienst Here ein. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, schreiben die beiden Techno­logiekonzerne in getrennten Mitteilungen. Dem Einstieg müssen die Kartellbehörden noch zustimmen; mit dem Abschluss des Geschäftes rechnet Bosch für Ende erstes Quartal 2018. Bosch und Conti haben ihre Anteile von Altgesellschaftern erworben.

Here ist eine Tochtergesellschaft von Audi, BMW und Daimler. Die drei Autohersteller hatten den Spezialisten für Navigationskarten 2015 gemeinsam und zu gleichen Teilen für 2,55 Milliarden Euro von Nokia übernommen. Der finnische ­Konzern hatte den Kartendienst ur­sprünglich entwickelt und speziell auf hochpräzise Straßenkarten für automatisiertes Fahren ausgerichtet.

Auch Intel ist inzwischen and Here beteiligt

Der Verkauf wurde damit ­begründet, dass sich Nokia  auf das Kern­geschäft – die Ausrüstung von Telekommunikations-Netzwerken – konzentrieren wolle. Dass Audi, BMW und Daimler offen für weitere Gesellschafter sind, haben sie bereits in der Vergangenheit bewiesen. So ist der US-Chiphersteller Intel mittlerweile mit 15 Prozent an Here beteiligt, der japanische Konzern Pioneer hält etwas weniger als ein Prozent. Auch eine chinesische ­Investorengruppe hatte Interesse gezeigt, weil die US-Behörde für Auslandsinves­titionen ihre Zustimmung verweigerte,­ ­ließen die Investoren im Herbst 2017 ihre Pläne fallen. Derzeit halten die drei Autohersteller gemeinsam etwas mehr als 84 Prozent der Here-Anteile; künftig werden es dann noch rund 74 Prozent sein.

Neben dem Anteilserwerb haben die beiden Zulieferer, die in der Vergangenheit bereits mehr oder weniger intensiv mit Here zusammengearbeitet haben, auch konkrete Projekte mit dem Kartendienst, der seinen Sitz in Amsterdam hat, vereinbart. Bosch und Here wollen etwa den Bereich Industrie 4.0 angehen, also die digital vernetzte Produktion.

Bosch und Here wollen auch in Fabriken navigieren

Mit Hilfe hochgenauer Navigationskarten über den Innenraum einer Fabrikhalle könnten Waren in Echtzeit automatisiert und effizient bis ans Produktionsband transportiert werden, nennt Bosch ein Beispiel für eine mögliche Anwendung bei dieser Zukunftstechnologie. Die Technologie ermögliche auch, Wartungspersonal ohne genaue Ortskenntnisse zielgerichtet zu der Maschine zu lotsen, die instandzusetzen sei.

Auch im Bereich Smart Home – dazu gehört die Steuerung von Haushaltsgeräten oder Heizung per Smartphone aus der Ferne – soll es bei Bosch und Here künftig gemeinsame Projekte geben. Wie die konkret aussehen könnten, dazu wollte sich ein Bosch-Sprecher nicht äußern. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, sagte er. Er wollte nicht mal mögliche Anwendungsbeispiele nennen.

„Bosch ist mehr als Auto. Industrie 4.0, Smart Home und Smart City sind für uns stark wachsende Bereiche, in denen sich beim Auf- und Ausbau datenbasierter Services Synergien mit Here ergeben“, sagt Bosch-Chef Volkmar Denner. Aber es geht bei Bosch und vor allem auch bei Conti zudem um Mobilitätsdienstleistungen. So sollen die Here-Karten den Weg zu Parkplätzen oder Ladesäulen zeigen.

In Kooperation mit Conti etwa sollen neue Zugangssysteme für Autos entwickelt werden, damit etwa der Paketdienst eine Sendung direkt im Fahrzeug ablegen kann. Auch das Geschäft mit Mietwagen soll vor Ort unbürokratischer werden – der Kunde erhält einen Code auf sein Smartphone, mit dem er den Wagen dann unabhängig von Geschäftszeiten öffnen kann. Auch die Cybersicherheit wollen die Partner angehen.

Here betont die Notwendigkeit von Partnerschaften

„Teil unserer Vision ist es, die zunehmend autonome Welt so zu gestalten, dass sie für alle darin – Menschen wie Unternehmen – Nutzen bringt und lebenswert ist. Dazu braucht es starke Partner, die sich in unterschiedlichen Bereichen gegenseitig ergänzen“, sagt Edzard Overbeek, der Chef von Here Technologies. Wie breit der Kartendienst sein mögliches Geschäft auslegt, zeigt ein anderes Beispiel.

So will Here den Transportweg von Gütern transparenter und effizienter machen. Schiffsunternehmen verlören im Schnitt mehr als 1000 Container pro Jahr aus See, heißt es bei Here. Auch in der Luftfahrtindustrie sieht das Unternehmen Handlungsbedarf, weil jährlich mehr als 20 Millionen Gepäckstücke fehlgeleitet würden. Die Kosten der Unternehmen für gestohlene oder ineffizient transportierte Gepäckstücke gingen jährlich in die Milliarden, hat der Kartendienst errechnet.

Here ist den vergangenen Jahren offensichtlich deutlich gewachsen. Zwar werden keine Umsatzzahlen kommuniziert, sagte ein Sprecher, aber die Zahl der Mitarbeiter sei von 6500 (Ende 2015) auf gut 8000 gestiegen. Rund 640 Millionen Euro wurden 2016 in die Forschung und Entwicklung investiert. Entwickelt wird etwa im kalifornischen Berkeley und in Berlin.

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