Blockchain Startups in Berlin – ein Überblick

Blockchain Startups in Berlin"Übernimm’ die Kontrolle deines digitalen Selbsts“ - das verspricht das Berlner Blockchain-Startup Jolocom. Screenshot: IdeenwerkBW

Es gibt immer mehr Blockchain Startups in Berlin. Hier drei Beispiele zu Gründern, welche die Themen Lieferkette, Marken-Authentizität und Datensicherheit angehen.

Seit einiger Zeit kursiert nun ein neues Schlagwort in  Wirtschafts- und Technologiekreisen. Der sogenannten „Blockchain“ wird nachgesagt, dass sie ähnlich große Umwälzungen wie zu seiner Zeit das Internet mit sich bringen könnte. Für die Blockchain interessieren sich nicht nur große Unternehmen. Blockchain Startups in Berlin erleben zurzeit einen Aufschwung. Dort erproben Gründer derzeit Geschäftsmodelle, die auf die noch junge Technologie bauen.

Bei der Blockchain handelt es sich – vereinfacht ausgedrückt – um eine neue Art, digitale Daten zu speichern und weiterzugeben. Man kann sich die Blockchain wie eine Kette von digitalen Datenblöcken vorstellen. Bei jeder Veränderung des Datensatzes wächst die Blockchain immer weiter. Sie wird deshalb häufig als „digitales Haushaltsbuch“ beschrieben.

Alle Transaktionen werden der Reihe nach festgehalten. Das Besondere dabei: In einer Blockchain sind mehrere Computer miteinander verbunden. Jeder Teilnehmer verfügt über eine Kopie der gesamten Daten, die durch Verschlüsselungsverfahren gegen Veränderungen geschützt ist. Kommt es zu einer Veränderung im Datensatz – zum Beispiel wenn ein Teilnehmer Geld für einen Einkauf ausgibt und danach einen verringerten Kontostand hat – wird bei allen Teilnehmern der Blockchain festgeschrieben, dass eine Transaktion stattgefunden hat. Generell gilt diese Form der Datenspeicherung als sehr sicher, weil alle teilnehmenden Computer der Blockchain sich sozusagen gegenseitig kontrollieren.

Blockchain  Startups in Berlin: Das Thema Lieferketten

Vielen Verbrauchern ist es heute wichtig, die Herkunft ihrer Produkte genau nachvollziehen zu können.  Sie fragen sich zum Beispiel: Kommen die Eier, die ich kaufe, wirklich aus Freilandhaltung? Wie viel hat die Näherin in Äthiopien an meinem Pullover verdient? Derzeit bleiben solche Fragen häufig unbeantwortet. Die Lieferketten in vielen Branchen sind für den Endverbraucher kaum nachvollziehbar. Bei internationalen Lieferketten sind nach Angaben des IT-Unternehmens IBM oft über hundert Personen beteiligt, die etwa 200 Mal Informationen, oftmals auf Papier, austauschen müssen. Das ist teuer und anfällig für Manipulation.

Sven Laepple hat eine bessere Idee. Sein Unternehmen Astratum  ist eines der Blockchain Startups in Berlin. Damit will der gebürtige Stuttgarter die Lieferkette für Kleidung mithilfe der Blockchain transparenter machen. Auch hier gilt die Grundidee: In einer Blockchain dokumentieren alle Beteiligten den Prozess gemeinsam. Die Technologie führt dazu, dass Manipulationsversuche schnell auffallen. Außerdem gibt es dank der Blockchain keinen Akteur, der die Daten zentral speichert – und somit entfällt auch das Misstrauen, dass manche in der Lieferkette solch einem zentralen Registerführenden entgegenbringen könnten.

Wer in der Blockchain welche Buchführungs- und Leserecht hat, kann gestuft verteilt werden. Zum Beispiel brauchen die Hersteller in einer Lieferkette natürlich Buchführungsrechte, während für den Endverbraucher das Leserecht ausreicht. Sven Laepples Firma stünde kurz davor, ein Pilotprojekt mit 6000 Bauern in Äthiopien zu starten, sagt er. Ein Partner sei das italienische Entwicklungsministerium.

Auch das lässt sich gut anhand von Laepples Unternehmensidee erklären. Laepple will mehr als nur Transparenz. Schließlich könnten nachvollziehbare Lieferketten dafür sorgen, dass die Produkte der Textilfirmen bei den Verbrauchern besser ankommen. Transparenz verspricht für die Firmen also höhere Gewinne. Es entsteht ein Wert – und an dem will Laepple die Textilarbeiter selbst beteiligen. Unternehmen sollen für die Nutzung der Blockchain eine Gebühr zahlen. Diese will Laepple in Blockchain-basierte Wertmarken, sogenannte „Tokens“ umwandeln. Ein Teil der „Tokens“ wird dann an die Näherinnen überwiesen. Sie könnten damit wiederum Online-Sprachkurse oder andere Fortbildungen im Internet absolvieren.

Der Vorteil von Blockchain-basierten „Tokens“ gegenüber regulären Währungen wie dem Euro: Keine Bank muss die Zahlungen verwalten, da alle Transaktionen auf der Blockchain dokumentiert werden. Dadurch sind auch winzige Zahlungen im Cent-Bereich technisch umsetzbar. Solche Mikro-Zahlungen wären ansonsten wegen der viel zu hohen Transaktionskosten unrealistisch.

Blockchain Startups in Berlin: Authentizität von Marken

Den Nutzen der „Blockchain“-Tokens wollen sich neben Laepple auch viele andere Unternehmer zunutzen machen. Neben dem Finanziellen spielt hier auch Psychologie eine Rolle. Marken und deren Ruf könnten von jeweils eigenen „Tokens“ mit speziellen Eigennamen verkörpert werden. Das Gemeinschaftsgefühl in einem Wirtschaftskreislauf könnte dadurch steigen, hofft zum Beispiel auch Florian Braeuning mit seinem Startup  Yair. Braeuning und seine Co-Gründer wollen mit der Blockchain einen neues wirtschaftliches Umfeld für digitale Kunst wie Video-Installationen schaffen. Bezahlt wird in diesem Ökosystem mit dem „Yair“-Token.

Durch die Blockchain soll zum einen vermieden werden, dass solche Kunstwerke unerlaubt kopiert werden. Zum anderen sollen Kunstliebhaber etwa durch kleinere „Yair“-Zahlungen nur temporären Zugriff auf digitale Kunstwerke erhalten. So könnten sich Kunst-Freaks eine Videoinstallation zum Beispiel nur für einen Abend bei einer Party an die Wand werfen und für einen Hingucker bei den Gästen sorgen.

Blockchain Startups in Berlin: Der Schutz von Daten

„Übernimm’ die Kontrolle deines digitalen Selbsts“, verspricht das Berliner Startup  Jolocom auf seiner Webseite. Identitätsmanagement im Internet ist einer der wichtigsten Anwendungsbereiche für die Blockchain-Technologie.

Zum Beispiel erfordern viele Online-Angebote wie Lieferdienste bei erstmaliger Nutzung eine Registrierung. Doch Verbraucher sind meist faul und wollen sich nicht jedes Mal neu registrieren. Das haben Datengiganten wie Facebook oder Twitter, bei denen ohnehin schon viele Menschen ein Nutzerkonto haben, erkannt. Sie bietet an, dass Nutzer sich über ihre bereits bestehenden Facebook- oder Twitter-Account bei neuen Dienstleistern wie etwa einem Online-Pizzaservice registrieren können. So können große Firmen wie Facebook oder Twitter noch mehr Daten sammeln. Verbraucher hingegen verlieren die Kontrolle, welche Firma über wieviel Einblick in ihre Daten verfügt.

Jolocom möchte das ändern. Die Geschäftsidee: In einer blockchain-basierten App speichert ein Verbraucher seine kompletten Daten wie Geburtsdatum, Adresse, Telefonnummer und so weiter. Will er in Zukunft Dienstleistungen im Internet nutzen, hat der Verbraucher als einziger die Kontrolle, welchen Teil der Daten er mit welchem Dienstleister teilt.

Die technischen Hürden

Von einer breiten Anwendung ist die Blockchain-Technologie noch weit entfernt. Zum einen gibt es derzeit noch viele technische Hürden. Dazu zählen etwa der teilweise sehr hohe Stromverbrauch und der große Bedarf an Speicherplatz. Diese Schwierigkeiten unterscheiden sich je nach Umsetzung. Denn es gibt nicht „die eine Blockchain“, sondern verschiedene Variationen der technischen Grundidee.

Michael Kubach vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation weist zudem auf ein anderes Problem hin: Solange in einer Blockchain Daten gespeichert werden sollen, die einen physischen Gegenstand repräsentieren, ist das System trotzdem für Manipulation anfällig.

„Einen Barcode kann ich dank der Blockchain zwar extrem sicher nachverfolgen. Aber das ist ja noch keine Garantie dafür, dass dann in der physischen Welt nicht jemand den Code von einem Produkt abrubbelt und auf ein anderes draufklebt“, sagt Kubach.

Er sieht das größte Potenzial der Technologie deshalb bei Produkten, die ohnehin digital sind. Das haben auch Unternehmensgründer erkannt und suchen explizit nach solchen Anwendungsbereichen – sei es digitale Kunst oder, im Fall des Startups License Rocks, der Weiterverkauf von Software-Lizenzen, nachdem eine Firma insolvent gegangen ist oder an eine andere verkauft wurde und ihre Lizenzen dementsprechend nicht mehr benötigt.

Wie die Blockchain-Technologie bestehende Geschäftsfelder tatsächlich verändern wird, ist noch offen. Nach dem großen Hype vor etwas mehr als einem Jahr befinde sich die Blockchain derzeit eher in der Phase der Desillusionierung, glaubt Michael Kubach. Mit einer produktiven und breiten Anwendung rechnet er erst in etwa zwei bis fünf Jahren. Es bleibt also spannend. „Die Technologie ist einfach noch unheimlich jung“, sagt Kubach.

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