Die Pipeline füllen – mehr Ermutigung für Startups

Ermutigung für StartupsJede Gründung braucht erst einmal Freiraum, um an der Idee intensiv zu arbeiten. Foto: Unsplash/Tim Gouw/CC0

Wie kann man Gründern unbürokratisch ihr Wagnis erleichtern? Ein von Nordrhein-Westfalen geplantes Grundeinkommen als Ermutigung für Startups scheint auch in Baden-Württemberg einen Nerv zu treffen. Ein Kommentar.

An vielfältigen Programmen und Unterstützungsmöglichkeiten für Startups ist in Baden-Württemberg kein Mangel. Die CDU-Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut hat das Thema Gründungen oben auf ihrer  Agenda und versucht die vielfältigen Themen unter der Dachmarke StartupBW mit mehr Außenwirkung zu bündeln. Technologie ist Trumpf, vielfältige Berater und Institutionen versuchen teils schon in frühen Phasen Ideen auf ihre Substanz abzuklopfen und auch tatkräftig Hilfe zu leisten. Es gibt durchaus auch bunte Events wie der inzwischen traditionsreiche Wettbewerb Elevator Pitch BW – wo jedes Jahr kreative Ideen zu besichtigen sind. Doch ein solcher Wettbewerb geht deutlich weniger in die Breite als das nordrhein-westfälische Projekt.

Und diese Breite braucht es. Eine Frage beantwortet die bisherige  baden-württembergische Förderstruktur noch unzureichend: Wie bekomme ich ganz am Anfang die Pipeline mit gründungswilligen Menschen voll? Und wie schaffe ich für sie den Raum, ohne Korsett einmal ihre Idee zu entwickeln?

Der Südwesten setzt auf Technologie – weniger auf Menschen

Baden-Württemberg ist stark, wenn es um Förderung von Technologien geht. Und auch wenn eine eher konventionelle Gründeridee einmal gefasst ist, dann hat die landeseigene Förderbank L-Bank eine ganze Reihe von Fördermaßnahmen im Köcher.

Die Schwäche liegt an dem Punkt, wo das Thema Gründen überhaupt erst auf dem Horizont auftaucht, bei der Ermutigung für Startups. Dass in Zeiten einer guten Konjunktur eine feste Stelle in einem etablierten Betrieb lockt, ist keine baden-württembergische Besonderheit – aber hier zu Lande besonders ausgeprägt. Der Rückgang der Gründungsbereitschaft ist ein deutschlandweiter Trend.

Ermutigung für Startups bräuchte es etwa nach dem Studium

Wie eine ganz aktuelle Studie des IT-Branchenverbands Bitkom offenbart gibt es in Deutschland bisher nur eine sehr geringe Quote an Gründungen nach dem Studium – anders als etwa in den USA. Nur 12 Prozent der Gründungen geschehen im Anschluss an die Hochschulausbildung. 43 Prozent werden hingegen aus einem festen Arbeitsverhältnis heraus riskiert. Das bürgt, wie man gerade in Baden-Württemberg gerne betont, dann auch für mehr Qualität.

Doch es braucht eben insgesamt mehr Gründungsbereitschaft in der Gesellschaft – und das Grundeinkommen in Nordrhein-Westfalen setzt genau an dieser Flanke an. Denn am attraktivsten dürften die 1000 Euro im  Monat genau in den früheren Lebensphasen sein, wo auch im Südwesten der Gründer-Nachschub noch deutlich größer werden könnte. Auch in einer Umfrage der Universität Stuttgart-Hohenheim im vergangenen Jahr unter baden-württembergischen Startups wurde die Idee von einigen Gründern propagiert.

Das nordrhein-westfälische Projekt birgt in seiner relativen Offenheit durchaus Risiken. Und dass eine Wirtschaftsministerin bei ihrer Kollegin Finanzministerin nicht für immer neue Programme die Hand aufhalten kann, ist verständlich. Aber die geradezu euphorischen Reaktionen von unterschiedlichsten Startup-Experten im Land belegen, dass das Konzept mehr verdient hat, als das vom Land bisher eher vage geäußerte Interesse. Es wäre eine sinnvolle, ergänzende Komponente dort, wo man im Südwesten im Drang nach technologischer Spitzenförderung und nach Risikokontrolle insgesamt noch eine Schwäche hat: Bei der Ermutigung von Menschen.

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