Axoom ist Trumpfs Scout für Geschäftsmodelle

AxoomDas Trumpf-Startup Axoom will Standards für die Industrie 4.0 setzen. Screenshot: IdeenwerkBW

Trumpf ist ein Werkzeugmaschinenhersteller, der technologisch  neue Wege geht. Die  Startup-Tochter Axoom soll Standards für die Industrie 4.0 setzen und vernetzt den ganzen Produktionsprozess von der Maschine bis zur Auslieferung.

Ein bisschen Spielerei gehört  dazu. Etwa mit dem Kaffeeautomaten.  Wer  bei der Firma Axoom auf das  Knöpfchen  drückt, wird registriert. Das habe nichts mit Kontrolle zu tun, versichert  Axoom-Chef Florian Weigmann. Erfasst würden vielmehr die Laufzeit des Automaten,  seine Stillstandszeit und die Auszeit. Man erfährt,  wie viel  Cappuccino  im Vergleich zu Espresso  getrunken wird. „Wir wissen, ob  auf einer  Messe in Amerika oder einer in Europa mehr Kaffee  getrunken wird“,  sagt   Weigmann schmunzelnd.   Und was  fängt er   mit dieser Information an?  Die Daten sind  die Grundlage für die Bestellung der Milch.
Was auf den ersten Blick als  Spielerei  am Kaffeeautomaten abgetan werden könnte, ist  nicht weniger als ein  anschaulicher Blick in die   Zukunft. Das Startup Axoom ist salopp formuliert so etwas wie eine Spielwiese des   Ditzinger Familienunternehmens, um ganz neue   Geschäftsmodelle  rund um die digital vernetzte  Produktion zu   entwickeln. Mit Axoom stellt der Werkzeugmaschinenhersteller anderen Unternehmen  eine  neuartige  Plattform zu Verfügung,  um digital  Kunden und Lieferanten zu vernetzen.  Möglich ist über diese Plattform auch, dass  Firmen  aus der Ferne  Informationen  aus ihren weltweit  aufgestellten Maschinen abrufen können.  Damit rückt  Trumpf  nahe an IT- und  Internetunternehmen heran.

Axoom ist erst eineinhalb Jahre alt

Eineinhalb Jahre  ist Axoom jung – und Kunden aus dem In- und Ausland interessieren  sich für die Aktivitäten der Karlsruher, sagt Weigmann.  Die Zahl der realisierten Projekte  liege im niedrigen  zweistelligen Bereich“.   Es dürften um die 20 Projekte sein.  In drei Jahren sollen es bereits 4000 Kunden sein, sagt der Geschäftsführer. Die Latte liegt  hoch. Der Markt ist groß; drei Millionen potenzielle Kunden soll es geben.
Den derzeitigen Kunden –  dazu gehören  der Sensorhersteller Sick, der Optikkonzern Zeiss oder der Gasehersteller Linde –  geht es um Informationen über  Stillstands- und Durchlaufzeiten ihrer  Maschinen.  Ihr Ziel ist  es, die  Auslastung  der Anlagen zu erhöhen – und  die Stückkosten  zu senken.   Das seien nur  erste  Schritte in Richtung Industrie 4.0, sagt Weigmann.  Das    Maschinenalter sei  kein Hinderungsgrund.  Bei jeder Maschine, „die am Strom hängt“,  können Profile erstellt werden, sagt der Axoom-Chef.  Erfasst würden  die Durchlaufzeit eines Produktes oder die Auslastung der Maschine.

Die ganze Produktion wird optimiert

Wer  Erfahrung hat,  wagt sich an den Produktionsprozess heran.  Es geht dann um die Optimierung des  gesamten Ablaufs – von der Auftragsvergabe bis hin zur Auslieferung beim Kunden.   Weigmann nimmt Stichworte wie Durchlaufzeiten, Materialbeschaffung  und Transportrouten in den Mund  –  all dies  wird  aufeinander   abgestimmt, um Kundenaufträge  schneller und zu   nierigeren Kosten zu bearbeiten.  Und gleichzeitig sollen möglichst  neue Kunden gewonnen werden.   Eine Effizienzsteigerung  von „reichlich 30 Prozent“  sei möglich, verspricht  Weigmann.     Wer alle Informationen hat und  aufeinander  abstimmt, müsse  keine Zeitpuffer mehr einbauen, erklärt er.
Demnächst  wird Axoom die Vor­teile  der digitalen Vernetzung auch außerhalb der Produktionshalle testen. Auf der am Montag beginnenden Industriemesse in Hannover stellt die Trumpf-Tochter eine Zusammenarbeit  mit dem   Energieversorger EnBW vor.  Die Kooperationspartner  wollen   Wege suchen,  um  den Stromverbrauch   in Unternehmen  zu senken. Dabei soll  die  Idee, die  für private Haushalte  bereits fortgeschritten ist – die Waschmaschine schaltet sich ein, wenn der  Strompreis niedrig ist –,  quasi auf Unternehmen  übertragen werden. Damit Kundenaufträge termingerecht   ausgeführt werden können, müssen diese  detailliert  geplant werden – damit zum Beispiel   die nötigen Rohstoffe zur richtigen  Zeit am richtigen Ort sind, die Maschinenkapazität  vorhanden ist und   die Lastwagen für den Transport zur Verfügung stehen. Künftig  wird also auch noch die Energie als Parameter berücksichtigt.

Karlsruhe ist ein guter Mitarbeiterpool

100 Mitarbeiter stehen auf der Gehaltsliste des Karlsruher Startups, doppelt so viele wie vor einem Jahr.  Probleme, Fachkräfte zu finden,  hat Weigmann  wohl eher nicht – auch wegen der  Nähe zum  KIT, dem Karlsruher  Institut für Technologie.  Er bezirzt  junge Mitarbeiter mit neuesten Technologien.  Das  Umfeld  erinnert  in keiner Weise an die Steifheit  alteingesessener Traditionsunternehmen.  Bei Axoom geht es leger zu. Der Chef  trägt schwarzes Shirt mit gelbem  Axoom- Namenszug sowie  knallgelbe Turnschuhe, die  Mitarbeiter  teilweise kurze Hosen. Und   statt Kantine werden  im Innenhof mittags auch mal  Würstchen gegrillt.
Dank der  Verbindung zu  Trumpf  entfallen viele unerwünschte Aufgaben. „Wir sind ein Startup, das keine Angst  haben muss, permanent  Finanzierungsrunden zu fahren“, sagt der Chef.  Trumpf sei eine  verlässliche Mutter, die „nachhaltige  Innovationen lebt“. Seit Kurzem kümmert sich Geschäftsführer Peter Leibinger um die Erschließung neuer Technologien. Sein Schwager   Mathias  Kammüller ist zuständig  für digitale  Geschäftsmodelle bei   Trumpf. „Ich bin überzeugt, das hilft uns“, so  Weigmann.

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