AX Semantics: Frisches Kapital für Text-Roboter

Software AX SemanticsComputer, die Texte schreiben? Das ist das Geschäftsmodell der Stuttgarter Firma AX Semantics. Foto: AX Semantics

Computer, die Texte schreiben? Das ist keine Zukunftsmusik, sondern das Geschäftsmodell der Stuttgarter Firma AX Semantics (Aexea).  Am Montag hat sie bekannt gegeben, dass Investoren mit einem siebenstelligen Betrag einsteigen.

Veranstaltungshinweise, Sportberichte, Wettervorhersagen und Börsenzusammenfassungen – das sind die Textkategorien, die das Stuttgarter Unternehmen inzwischen erfolgreich automatisieren kann. Hier beherrscht die in Stuttgart entwickelte Software  schon zwölf verschiedenen Sprachen, von Dänisch bis zu Chinesisch und Indonesisch. Repräsentanzen gibt es inzwischen auch in so fernen Ländern wie in  Chile. Nun steigt das Digitalunternehmen des Oldenburger NWZ Verlags (Nordwest-Zeitung) als Investor ein,  das Nürnberger Medienhaus Müller Medien,  sowie die PDV-Inter-Media Venture als Risikokapitalzweig der unter anderem die Augsburger Allgemeine publizierenden Mediengruppe Pressedruck. Die genaue Höhe der Investments wurde nicht bekanntgegeben. Insgesamt geht es um einen siebenstelligen Betrag.
Damit soll die von AX Semantics entwickelte, eigene Programmiersprache weiter perfektioniert werden. Außerdem soll es für die Kunden nach dem Kauf einer Lizenz möglich sein, dass sie noch stärker als bisher auf automatisierte Prozesse zurückgreifen können und keine Betreuung mehr brauchen –  eine Voraussetzung um noch schneller Tempo zu expandieren. Das Stuttgarter Unternehmen hat beim Roboterjournalismus – der aber genau genommen keine Roboter, sondern Software benötigt – einen weltweiten Ruf. Der deutsche Ableger der US-Zeitschrift Technology Review nahm die Firma 2015 in seine Liste der 50 innovativsten Unternehmen der Welt auf. Das Wachstum ist rasant: Allein vom ersten auf das zweite Quartal 2016 hat sich die Zahl der von AX Semantics produzierten Texte auf fast eine Million in der Woche vervierfacht.
Beim Investor in Oldenburg  beispielsweise liegt das Augenmerk vor allem auf der Automatisierung von Veranstaltungshinweisen. Der Verlag tritt hier unter anderem als Ticketvermarkter auf. „Bisher hatte man  nicht die Ressourcen, für jede Veranstaltung auch einen passenden Text zu schreiben“, sagt Philipp Renger von AX Semantics – und will hier gleich mit einem Missverständnis aufräumen, das sich seiner Meinung nach häufig um den Begriff des so genannten Roboterjournalismus dreht: „Das sind Texte, die wären nie von einem Menschen geschrieben worden“, sagt er: „Sie gibt es nur, weil dies die Maschine leisten kann.“

Der Markt für AX Semantics sind Standardtexte

Die Bereiche, in denen der Text-Algorithmus die entsprechende Qualität liefern kann, sind standardisierte Textformen in denen Informationen nach klaren Regeln verarbeitet werden und die ein gewisses Massenprodukt sind.  „Natürlich werden sie immer einen Sportreporter zu einem Bundesligaspiel schicken, aber in unteren Spielklassen, über die heute niemand schreibt, kann die Maschine erstmals Spielberichte erstellen, “ sagt Renger. Häufig sind es auch keine journalistischen Texte, sondern Gebrauchsinformationen, etwa Produktbeschreibungen. (Hier ein Textbeispiel.)
Dennoch dürfte die Entwicklung manche journalistische Arbeitsbereiche überflüssig machen. Eine akteuelle  Studie der Universität München   hat zwar belegt, dass Leser dem Computer noch misstrauen,  sie aber letztlich die von der Maschine erstellten Texte nicht von menschlichen unterscheiden können. Wenn die Leser nicht wussten, wer die Texte geschrieben hatte, galten die  Computertexte im Durchschnitt sogar als glaubwürdiger. Insgesamt ist der Journalistenberuf allerdings viel stärker von der wachsenden Macht von Internet-Plattformen wie Google und Facebook bedroht sowie der Tatsache, das es schwer ist, für Inhalte im Netz Geld zu verlangen.
AX Semantics ist als Unternehmen kein Startup mehr. Die Firma wurde unter dem  rechtlich zurzeit noch gültigen, aber wohl nicht mehr lange verwendeten  Namen Aexea  2002 in Stuttgart gegründet. Der Geschäftführer Saim Alkam, der an der Fachhochschule Esslingen eine Ausbildung als Wirtschaftsingenieur absolviert hatte, sammelte zuerst Erfahrungen in der klassischen Werbebranche.  Aexea war zuerst einenormale Textagentur, bevor hier ein massiver Preisverfall einsetzte. Das geschah nicht wegen Text-Robotern, sondern wegen Konkurrenten, die aus dem Verfassen von Standardtexten durch den flexiblen Rückgriff auf billige Lohnschreiber ein Massengeschäft machten.
Da kam es zupass, dass sich im Lauf der Jahre Gründer und Mitarbeiter, die teilweise gar keinen technischen Hintergrund hatten, sich immer mehr Kompetenzen im Bereich der Computerhilfsmittel angeeignet hatten. So entwickelte man eine Software zur Messung und Verbesserung der Qualität von Onlinetexten.
AX Semantics ist deshalb insofern ein Startup, als dass man erst vor zwei Jahren das Geschäftsmodell radikal umkrempelte und sich auf  maschinell erstellte Texte konzentrierte.

Dem Computer kann man emotionale Sprache beibringen

Zwei Wochen brauche es, bis der Computer anhande eines vom Menschen erstellten Vorbilds das Schreiben erlerne. Die Maschine kann dann beispielsweise bei einem Sportbericht nicht nur in die-Schublade mit sporttypischen Ausdrücken und Adjektiven greifen, sondern sie kann in ihrer Datenbasis auch nach historischen Vergleichen oder Reminiszenzen suchen. Wenn Stürmer Müller etwa drei Tore im Spiel erzielt, dann kann sie dazu schreiben, dass er das vor zwei Jahren schon einmal getan hat. Wenn die zweite Halbzeit massiv verregnet war – dann weiß sie, das das vor drei Wochen schon einmal passiert ist. „Sie können dem Text-Computer sogar beibringen, dass er emotional stärker auf Seiten einer der beteiligten Mannschaften zu stehen scheint“, sagt Renger.
Das Klischee roboterhafter Sprache erfüllt die automatische Texterstellung nicht. „Nehmen sie beispielsweise einen Börsenbericht“, sagt Renger: „Sie können den Computer so programmieren, dass er aus denselben Inhalten unterschiedliche Varianten erstellt.“ Eine Nachrichtenagentur, die von AX Semantics bereits beliefert wird, kann so unterschiedlichen Kunden unterschiedliche Versionen zuschicken.  Das sei für einen menschlichen Schreiber weder zu leisten noch ihm zuzumuten.  „Wir haben das an einem Textbeispiel einemal durchgetestet: Wir konnten zehntausend unterschiedliche Versionen erstellen“, sagt Renger.
Er sieht die  Technologie nicht als Bedrohung, sondern als Ergänzung für journalistische Tätigkeiten: Ein maschinell erstellter Text bleibt trotz aller eingestreuten, emotionalen Adjektive letztlich eine karge  Information: „Ein Computer hat keine Emotionen, er kann keine Reportagen schreiben“, sagt er. Hingegen könne, wenn es um Geschwindigkeit geht, der automatisch erstellte Text ein Hilfsmittel sein: „Die erste Version des Spielberichts können sie mit dem Abpfiff absenden – dann kann der Journalist, darauf aufbauend, den Text ausbauen und ergänzen.“
Die Stuttgarter Firma ist seit der Konzentration auf ein Produkt stetig expandiert: In Stuttgart hat sie 30 Mitarbeiter die technologische und linguistische Kompetenz miteinander verbinden. „Einer hat sogar Philosophie studiert“, sagt Renger. Am Standort Berlin sind inzwischen zehn Menschen beschäftigt.
Eine Zukunftsvision ist es, die Erfahrungen mit der Individualisierung von Texten auch auf den persönlichen Zuschnitt von Webseiten auszweiten. Mit einem Klick auf eine Seite würde dort dann beispielsweise schon der bis auf den Stadtteil genau differenzierte Wetterbericht aufscheinen. „Aber das ist technisch zurzeit noch eine andere Baustelle“, sagt Renger.

Beispieltext für einen Veranstaltungshinweis (Quelle: NWZ Events)

Rosen- und Staudentage im Küchengarten

Ein Markt, den man sich vormerken muss: Am 12.06.16 um 10:00 Uhr findet die Veranstaltung „Rosen- und Staudentage im Küchengarten“ in Oldenburg statt. Veranstaltungsort ist die Location „Schlossgarten“, die sich in 26122 Oldenburg, Gartenstr. 37 befindet.
Ob Munstead Wood, die Nelkenrose oder Gertrud Jäckel wir haben sie heute im Küchengarten. Die Rose ist für die meisten Gartenliebhaber nach wie vor die beliebteste Pflanze unter den Blumen. Ihre Verwendung hat sich jedoch spürbar verändert, weg von der viel verwendeten Beetrose hin zur individuellen Schönheit mit charmanten Farben und verschwenderischen Düften. An diesen beiden Tagen haben Sie wieder die Möglichkeit, ihre Lieblingssorte zu erwerben. Lassen Sie sich von den Farben und Düften berauschen, und vom Zauber der Rosen verführen. Sicherlich werden Sie noch ein Plätzchen bei sich finden, um der Königin der Blumen ein Schloss zu bauen. Dazu bieten wir in diesem Jahr auch eine große Auswahl an prächtigen Begleitstauden an, so dass Ihr Rosenbeet alle verzaubern wird. Auf der wundervollen Blumenterrasse, können Sie Tee und selbstgebackenes Gebäck einnehmen. Der Rotary Club Oldenburg Schloss, der für das leibliche Wohl sorgt, sammelt für die Oldenburger Klangwerkstatt.

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