Autobauer auf neuen Pfaden

AutobauerSieht die Mobilität der Zukunft womöglich anders aus als heute?; Grafik: Bundesministerium für Verkehr

DAS WORT ZUM MONTAG: Daimler und Porsche machen Ernst mit  neuen Wegen zur Innovation. Beide baden-württembergischen Autobauer haben jetzt nacheinander ehrgeizige, neue Projekte vorgestellt, um Innovationen in Zukunft schneller voranzutreiben.

Daimler zieht einen internationalen Startup-Beschleuniger hoch und hat dafür als Betreuer und Investor einen renommierten Partner aus den USA gewonnen. Porsche gründet eine spezielle Digitalgesellschaft. Die Autobauer in der Region wissen inzwischen, dass  frischer Wind nicht nur aus dem Unternehmen selbst kommen kann. Mit dem ehrgeizigen Accelerator Startup Autobahn setzt Daimler in mehrfacher Hinsicht ein Zeichen: Zum einen ist dies ein Signal, den Ideenstandort Baden-Württemberg bekannter zu machen. Denn für Startups weltweit ist die enge Verknüpfung mit technologischer Expertise und vor allem potenziellen Erstkunden überaus attraktiv.  Zum anderen versucht sich das Unternehmen für eine neue Form der Partnerschaft zu öffnen, indem es  im Rahmen des Projekts den Zugriff auf die Ideen auch anderen Beteiligten eröffnet. Natürlich dürften sich hier vor allem die traditionell mit Daimler verbundenen Unternehmen, insbesondere die Zulieferer aus der Region, angesprochen fühlen. Aber offiziell ist nicht ausgeschlossen, dass sich auch Konkurrenten aus der Automobilbranche in das Projekt einkaufen können.
Auch für Porsche ist die Gründung einer Digitalgesellschaft ein Sprung nach vorn. Lange glaubte man hier, dass das eigene Publikum traditionelle automobile Tugenden, wie der Freude am Fahren den Vorrang vor technologischen Spielereien geben würde. Aber in der Smartphone-Generation setzt an diesem Punkt ein Wandel ein. Die Erotik von Sportwagen wird sicher bleiben.  Doch Automobile der Zukunft müssen auf andere Emotionen setzen – und dazu gehört der Wunsch nach Bequemlichkeit und Sicherheit.

Gibt es auch in Jahrzehnten noch Autobauer in der Region?

Bei aller Aufbruchstimmung: Die Konzepte sind eine Wette mit offenem Ausgang. Sie stehen und fallen damit, dass in der Region auch noch in Jahren und Jahrzehnten konkurrenzfähig Autos produziert werden.  Daimler setzt bei seinem Startup-Beschleuniger auf das Thema Automobil und dabei vor allem auch auf Hardware. Auch Porsches Strategie löst sich nicht von der Mobiltät auf vier Rädern.  Doch es bleibt eine spannende Frage, wo in Zukunft beim Thema Mobilität wirklich Geld verdient wird. Tatsächlich mit dem Bau und Verkauf von Autos? Man würde sich da noch etwas mehr Mut wünschen, das bisherige Geschäftsmodell radikal zu hinterfragen.
Konkurrenten wie Toyota und VW haben sich gerade an Fahrtendienstleister  à la Uber  angedockt. Wird am Ende das, was die cleveren Startups für Daimler entwickeln oder die neue Digitalgesellschaft von Porsche lanciert, auch hier  am Produktionsstandort Baden-Württemberg die Arbeitsplätze  sichern? Die Antwort auf diese langfristige, aber  zentrale Zukunftsfrage für die Auto-Region Baden-Württemberg kennt heute noch niemand. Auch wenn die Initiativen so positiv wie notwendig sind: Ein paar Fragen zu einer Strategie, die bei aller Innovations-Rhetorik eine Optimierung und Fortschreibung des Bestehenden ist, bleiben erlaubt.

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