Studie: Wo sind die Auto-Arbeitsplätze der Zukunft?

Auto-ArbeitsplätzeIn der Mercedes-AMG V8-Motorenmanufaktur wird die Komplexität des Verbrennungsmotors sichtbar. Foto: Daimler

Die Elektromobilität führt zu weniger Beschäftigung,  Vernetzung und  automatisiertes Fahren bringen jedoch  nach einer Studie die Auto-Arbeitsplätze der Zukunft. In Baden-Württemberg wollen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft den Umstieg gemeinsam schaffen. 

Der Wandel vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb wird nach etlichen Untersuchungen zu einem Verlust von Arbeitsplätzen führen. Durch die Digitalisierung – also die Vernetzung von Fahrzeugen, dem Trend zum autonomen Fahren sowie neue Mobilitätsdienste – entstehen jedoch zugleich zahlreiche neue Jobs. Darauf macht eine neue Studie des Instituts für Automobilwirtschaft (Ifa) an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen aufmerksam.

Derzeit arbeiten nach dieser Untersuchung im Pkw-Bereich in Deutschland rund 610 000 Männer und Frauen. Durch die Digitalisierung könnten demnach bei Herstellern und Zulieferern bis zum Jahr 2030 knapp 40000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Für Baden-Württemberg wird der positive Beschäftigungseffekt auf knapp 15000 Jobs geschätzt. Nahezu 30 Prozent aller Auto-Arbeitsplätze in Deutschland entfallen auf den Südwesten.

Digitalisierung bringt zusätzliche Auto-Arbeitsplätze

Wesentlicher Treiber des Jobaufbaus ist nach Angaben des Ifa-Instituts die wachsende digitale Vernetzung der Wagen und die zunehmende Automatisierung des Fahrens. Dies führt unter anderem dazu, dass die Autos mit zahlreichen künstlichen Augen und Ohren in Form von Radar- und Ultraschallsensoren, Kameras und Laserscannern ausgestattet werden müssen, die wiederum durch ein aufwendiges Computersystem miteinander verbunden werden müssen, damit sie ein möglichst realitätsnahes Abbild der Fahrzeugumgebung liefern können. Ifa-Chef Willi Diez schätzt, dass der Anteil digitaler Komponenten am Gesamtwert eines Fahrzeugs von heute knapp fünf Prozent auf rund 14 Prozent im Jahr 2030 steigen wird.

Dies entspräche rund 4500 Euro je Fahrzeug.Wenn alle neu in die Autos kommenden digitalen Komponenten in Deutschland produziert würden, könnte nach dieser Studie der Beschäftigungsverlust durch die Elektromobilität bis zum Jahr 2030 in Deutschland auf 55 100 und im Südwesten auf etwa 18 000 Stellen reduziert werden. Der Beschäftigungsverlust entsteht, weil Elektroantriebe viel weniger Teile enthalten als Verbrenner.

Elektroauto hat mehr Wertschöpfungspotenzial

Allerdings haben Verbrenner als Energiespeicher nur einen Tank, bei dem die Wertschöpfung gering ist, während das Batteriepaket eines Stromers – bestehend aus den Zellen, einer ausgefeilten elektronischen Steuerung der Ladezyklen und der Klimatisierung des Energiespeichers sowie dem Batteriegehäuse – zusätzliche Arbeit bringt.

Würden auch diese Batteriepakete komplett hierzulande produziert, betrüge der Beschäftigungsverlust bis 2030 laut der Studie 16 500 Stellen in Deutschland und 5500 im Südwesten.Die baden-württembergische Landesregierung will den Wandel in einem Strategiedialog gemeinsam mit Wirtschaft und Wissenschaft gestalten.

Die Politik will die Beteiligten zusammenbringen

Nach dem Autogipfel im Frühjahr haben sich in der vergangenen Woche erstmals rund 30 Vertreter von Herstellern, Zulieferern, dem Kfz-Gewerbe, der Wissenschaft und Verbänden mit Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). Die Ministerin leitet gemeinsam mit Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth und Porsche-Vertriebschef Detlev von Platen den sogenannten Transformationsrat.

In den kommenden Monaten soll in Arbeitsgruppen über die Themen Forschung und Entwicklung, Produktion, Zulieferer sowie das Kfz-Gewerbe diskutiert werden. Für diese Bereiche ist das Wirtschaftsministerium im Rahmen des Strategiedialogs zuständig. „Digitalisierung, Elektromobilität und neue Mobilitätslösungen führen zu einem enormen Technologie- und Strukturwandel, der unsere Wertschöpfungskette durcheinanderwirbelt“, sagte Ministerin Hoffmeister-Kraut. Es müsse das gemeinsame Ziel sein, den heutigen wirtschaftlichen Erfolg mindestens zu erhalten. „Unser Ziel ist es, Handlungsempfehlungen zu erarbeiten und in einer Roadmap zu bündeln“, sagte die Ministerin. Diese solle die vielen kleinen und mittleren Zulieferer, aber auch Handelsbetriebe und Werkstätten unterstützen.

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