Das Team von AmbiGate, in der Mitte unsere Gesprächspartnerin Caroline Dabels; Foto: AmbiGate

Ende September findet in Karlsruhe das CODE_n new.New Festival statt – initiiert vom Stuttgarter IT-Dienstleister GFT Technologies. Die Interviews mit den Finalisten des Startup-Wettbewerbs gibt es hier. Heute: AmbiGate aus Tübingen.

AmbiGate agiert im digitalen Gesundheitsmarkt. Die Kernkompetenz des Startups liegt im Motion Tracking – also der Bewegungserfassung – für den medizinischen und therapeutischen Markt. Gemeinsam entwickelt das Team digitale Lösungen in Form von Videospielen für die Heimtherapie sowie für den Pflegebereich. Unter den 385 Bewerbungen des diesjährigen CODE_n Startup-Wettbewerbs hat es das junge Unternehmen unter die Top 52 Finalisten geschafft und wird im September beim CODE_n new.New Festival im Cluster „HealthTech“ mit dabei sein. Voller Tatendrang und Ideen war auch Caroline Dabels im Gespräch mit Anja Ebert von CODE_n.

Caroline, wie würdest Du Dein Startup in einem Satz – mit maximal zehn Wörtern – beschreiben?
Wir sind jung, innovativ, zukunftsweisend und ein bisschen verrückt. (lacht)

Nullachtfünfzehn steht also bei euch nicht auf der Tagesordnung, aber welches Problem löst AmbiGate konkret?
Wusstest du, dass 70 Prozent der Deutschen Rückenschmerzen haben? Die verschriebene Physiotherapie von 6×20 Minuten reicht allerdings nicht, um nachhaltig zu genesen. Therapeuten verordnen den Patienten deshalb Heimübungen. Deren Erfolg hängt aber stark von der Motivation und korrekten Ausführung ab. Oft wird auch schlicht vergessen, wie die Übungen durchzuführen sind. Unsere eReha-Software vereint Videospiele, Übungen, Trainingsbegleitung und medizinische Seriosität – so sind Training und Therapie effektiver. Spielerisch wird der Patient motiviert seine Übungen zu absolvieren – da macht Physiotherapie Spaß!

Gemeinsam mit einer großen Therapie-Vereinigung habt Ihr ein 3-Win-Geschäftsmodell definiert – was genau kann man sich darunter vorstellen?

Unser Ansatz basiert auf drei Erfolgssäulen. Erstens: Therapeuten erhalten durch unser Produkt erstmals messbare Trainingsergebnisse ihrer Patienten. Zweitens: Die Krankenkassen sparen durch weniger Krankschreibungen erhebliche Kosten. Und drittens: Die Patienten erhalten mit unserem Produkt „eReha“ ein System, das motiviert und ihnen rund um die Uhr zu Hause zur Verfügung steht.

Und wie kann der Anwender „eReha“ einsetzen?

Auf einem PC oder via Konsole mit angeschlossener 3D-Kamera und installierter eReha-Software kann der Patient die – individuell für ihn freigeschalteten – Übungen absolvieren. Dabei wird er von einem „Realtime-Feedback“ unterstützt, um falsche Ausführungen zu erkennen und zu verbessern. Durch eine spannende virtuelle Umsetzung wird die Motivation aufrechterhalten. Dazu geben sich diverse Medien- und Gamedesigner in unserem Team die größte Mühe. Jede Sitzung wird durch wissenschaftliche Algorithmen analysiert, um Fortschritte festzuhalten. Krankheitsspezifische Parameter werden dem betreuenden Therapeuten über das Internet zugesendet. Das Team nutzt hierbei bereits publizierte, aber auch selbst entwickelte wissenschaftliche Parameter. Aus der Entfernung passt der Betreuer daraufhin die Intensität und Auswahl der Übungen an den tatsächlichen Fortschritt an. Auch den nächsten Termin können beide Seiten direkt über das System koordinieren – ein Novum in der Therapiewelt. Das Produkt kann auch präventiv genutzt werden: Das Realtime-Feedback bleibt dabei aktiv, der Patient wird jedoch nicht vom Physiotherapeut betreut.

Was hinter AmbiGate aus Tübingen steckt

Und wer kauft letztlich Euer Produkt, welche Zielgruppe sprecht Ihr an?
Wir sprechen Menschen an, die entweder bereits Rückenschmerzen haben oder diese schlicht vorbeugen möchten. Sie können sich beim eReha-Training von ihrem Therapeuten betreuen lassen oder es präventiv nutzen. Außerdem sprechen wir Unternehmen an, die für ihre Mitarbeiter eine gesunde Abwechslung zum Arbeitsalltag bieten wollen. Nach der Marktreife im September, werden wir unser Produktportfolio um weitere Bewegungstherapieabläufe erweitern – so zum Beispiel rund um das Knie.

Hand aufs Herz: Was hat Euch damals dazu inspiriert, AmbiGate zu gründen?
Wir waren schon vor der Firmengründung ein tolles Dreiergespann. Meine beiden Mitgründer haben Informatik und Bioinformatik studiert; einer von ihnen war an Forschungsarbeiten der Universität Tübingen im Bereich Human Machine Interfaces mit 3D-Sensoren beteiligt. Das brachte uns auch auf die Idee Exergames – sprich Exercise Games – in Wohnzimmer und Betriebe zu bringen.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Ihr und wie finanziert Ihr das Unternehmen?
Aktuell sind wir insgesamt elf Leute, inklusive uns drei Gründern. Außerdem unterstützt uns ein achtköpfiges Entwicklerteam der Uni Tübingen. Finanziert waren wir bisher über das EXIST-Gründerstipendium sowie den IKT Innovativ Gründerpreis. Aktuell bezahlen wir aber alles mit unserem eigenen Kapital.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Wo geht es hin – wo seht Ihr Euch in fünf Jahren?

In fünf Jahren haben wir hoffentlich einen erfolgreichen Markteintritt hinter uns und bereits einen großen Kundenstamm an Privatkunden und Unternehmen, die unser System nutzen. Außerdem sollten wir bis dahin auch weitere Anwendungen in der Bewegungstherapie national sowie international etabliert haben. Ein Exit könnte dann auch eine relevante Option sein.

Was ratet Ihr anderen Gründern, die im Gesundheitswesen aktiv sind oder es werden wollen?
Viel Geduld und Begeisterung für die eigene Sache!

Was war Euer größter Erfolg und bislang härtester Rückschlag?

Die EXIST-Förderung und der IKT Innovativ Preis zählen zu unseren größten Erfolgen. Sie haben uns nicht nur finanziell geholfen, sondern gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Der schwierigste Rückschlag war eine Förderung, die wir absagen mussten wegen dem Doppelförderungsgesetz, welche uns dann ein Jahr später nicht mehr gegeben wurde. Das hat uns finanziell auf eine harte Probe gestellt. Aber um an dieser Stelle einfach aufzugeben, waren wir schon viel zu weit!

Würdet ihr jederzeit wieder eine Firma gründen?
Ganz klar: Ja. Es ist eine wahnsinnig spannende Zeit, in der man unheimlich viel lernt und sich persönlich sowie beruflich um ein vielfaches weiterentwickelt. Ich möchte es nicht missen, die Chance zu haben, meine eigenen Ideen zu verwirklichen.

 


Caroline Dabels_Profilbild_Quelle AmbiGateDer Profilbogen

Mein Name ist Caroline Dabels, Gründerin von der AmbiGate GmbH.

Ich bin aktuell 32 Jahre alt.

Der Morgen beginnt üblicherweise mit meinem Smartphone.

Inspirationen hole ich mir bei Instagram, Startup Events und vor allem bei positiven und lebensbejahenden Menschen.

Mein Arbeitstag hat in der Regel 12 Stunden.

Abschalten kann ich am besten beim Musik hören oder beim Get-together mit Freunden.

Gelernt habe ich internationale Betriebswirtschaftslehre.

Ich bin Unternehmer, weil ich das höchstmögliche Maß an Selbstbestimmtheit anstrebe.

Meine Vision ist es, die Welt von heute und von morgen ein klein wenig besser zu machen – einen Versuch ist es wert. 😉

Wenn ich nicht arbeite, findet man mich hier: bei meinen Lieblingsmenschen, vor dem Fernseher oder beim Fotografieren.

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