Accelerate Stuttgart: Erfolg und Wermutstropfen

Accelerate StuttgartDigitale Geschäftsmodelle werden auch künftig der Schwerpunkt von Accelerate Stuttgart sein; Screenshot: Accelerat Stuttgart

Die Übernahme von Accelerate Stuttgart zeigt, dass etablierte Firmen und Startups in Baden-Württemberg zusammenwachsen. Das ist eine gute Nachricht. Startups, die weniger kompatibel für Firmen sind,  haben es dafür schwerer. 

Der Startup-Standort Stuttgart wird zunehmend erwachsen. Die Tatsache, dass der deutsche Anbieter Etventure, der sich darauf spezialisiert hat, etablierte Firmen mit Gründern  zu verknüpfen nun in Baden-Württemberg größer einsteigt, zeigt klar, welches Potenzial dieses Geschäft  hat. Das Interesse etablierter Firmen an neuen Wegen zur Innovation wächst rasant.
Vor wenigen Tagen erst hat  beispielsweise der Autokonzern Daimler mit der Startup Autobahn eines der bisher ehrgeizigsten deutschen Kooperationsprojekte eines Unternehmens mit innovativen Gründern lanciert. Nicht die nur kleine Zahl von Arbeitsplätzen bei den Startup-Dienstleistern ist hier relevant, sondern ihre Hebelwirkung für die gesamte Wirtschaft.
Für die Betreiber von Accelerate Stuttgart, die in der Landeshauptstadt Pioniere waren, ist die Übernahme durch einen inzwischen weltweit präsenten Startup-Dienstleister  ein Ritterschlag. Es ist auch ein Indiz dafür, dass im Südwesten Gründer und etablierte Unternehmen eine sehr enge Symbiose eingehen müssen, um erfolgreich zu sein – vielleicht enger als anderswo. Eine traditionelle Stärke des Innovations- und Produktionsstandortes Baden-Württemberg wird damit noch stärker.  Man muss jetzt nicht gleich  befürchten, dass nun eine eigene, regionale Marke für Startup-Dienstleistungen vielleicht verschwindet. Mit einem starken Partner im Rücken steht Accelerate Stuttgart klar besser da als vorher.

Accelerate Stuttgart zeigt: Startups müssen passgenau sein

Damit verbunden ist allerdings ein kleiner Wermutstropfen:  Geschäftsideen, die nicht sofort auf die Interessen eines bestehenden Unternehmens zugeschnitten sind, weil sie sich etwa direkt  an  Konsumenten richten oder vielleicht ganz radikal anders sind, haben es im Land bisher schwer. Solche Konzepte  gedeihen eher in Berlin, wo solche Startups  auch mithilfe internationaler Investoren hochgezogen werden. Die in Baden-Württemberg immer stärker werdende Ausrichtung auf Kooperationsprojekte zwischen Etablierten und Startups macht es ihnen nicht leichter.
So locker und dynamisch sich die Startup-Kultur manchmal präsentiert: Am Ende geht es knallhart um Euro und Cent. Private Unternehmen aus der Region haben offenbar keine Aktien darin, eine bunte, regionale Gründerkultur zu fördern. Ideelle Aspekte spielen für sie eine kleine Rolle – kleiner auch, als sich das die Initiatoren von Accelerate Stuttgart vielleicht erhofft hatten.
Man muss jetzt nicht gleich Sorgen haben, dass das zarte Pflänzchen von Startups, die ihr Geschäftsmodell abseits etablierter Firmen entwickeln, keine Chance mehr hat. Schließlich gibt es im Südwesten viele gut dotierte, auch von der öffentlichen Hand unterstützte Förderprogramme etwa für die Kreativbranche. Ein solches Ergänzungsprogramm zu den auf den bisherigen Standort ausgerichteten Ideen ist für Baden-Württemberg   wichtiger denn je.

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