Revolution: 3D-Metalldruck aus Oberschwaben

3D-MetalldruckDie Gründer Dominik Ross (l.) und Dominic Grundmann mit Werkstück aus dem 3-D-Metalldrucker Foto: D3D Additive Manufacturing

Mit einer neuen Technologie wollen zwei Jungunternehmer aus Oberschwaben die Metallverarbeitung revolutionieren. Werkzeuglose Fertigung heißt das Zauberwort, denn die Produkte entstehen mit  3D-Metalldruck.

Die Erkenntnis, die hinter der Gründung des Unternehmens steckt, ist eigentlich simpel: Manche Bauteile sind mit herkömmlichen Verfahren wie etwa dem Fräsen, Drehen, Bohren oder Schneiden kaum realisierbar, weil sie zu komplex oder zu filigran sind. Also machten sich die beiden Firmengründer Dominik Ross und Dominic Grundmann auf die Suche nach alternativen Möglichkeiten und stießen dabei auf den 3D-Metalldruck.

Weitere Überlegungen führten schließlich zur Geschäftsidee für ihr gemeinsames Unternehmen, die D3D Additive Manufacturing GmbH in Baindt, im Kreis Ravensburg. Dort werden additiv hergestellte Bauteile – also Teile aus dem 3D-Drucker – auf Kundenwunsch gefertigt.

Durch langjährige Berufserfahrung in der Konstruktion, Leitung Inbetriebnahme und Technische Projektleitung im Sonder- und Einzelmaschinenbau, sowie durch ständige Weiterbildung, unter anderem zum Fahrzeugbau-Ingenieur, wissen die beiden genau, worauf es bei der Fertigung von komplexen Teilen ankommt. Von der Beratung über Konstruktion und Produktion bis zur Nachbearbeitung bietet das Unternehmen einen Komplettservice an und will die revolutionäre Technologie vor allem auch kleinen und mittelständischen Firmen verfügbar machen. Dass man letztlich eine Halle in Baindt gefunden habe, bezeichnen sie „als Glücksfall“, denn die beiden Techniker wollten sich in der Region Ravensburg-Schussental-Bodensee ansiedeln.

Ein Laserstrahl jagt über eine Schicht Metallpulver

Herzstück der Produktionshalle ist ein fast fünf Tonnen schwerer Metalldrucker, der komplexe, chemisch reine Teile aus Edelstahl, Titan oder Nickel Superlegierungen bis zu einer Größe von 275 mal 275 mal 420 Millimeter fertigen kann. Dabei jagt ein Laserstrahl in ultrapräzisen Mustern über eine dünne Schicht Metallpulver, die danach aushärtet. Dieser Prozess wiederholt sich Schicht für Schicht, bis ein dreidimensionales Werkstück entstanden ist.

Früher galt der 3D-Druck eher als Spielerei und nur für Kunststoffe geeignet. Das hat sich mittlerweile geändert. Auch Maschinenbauer wie Trumpf oder Konzerne wie Siemens oder Daimler – etwa bei bestimmten Ersatzteilen – setzen teils auf additiv hergestellte Produkte.

Der 3D-Druck habe rasante Fortschritte gemacht, doch das sei noch wenig bekannt, sagt Dominic Grundmann. „Was bei komplexen Bauteilen Monate dauern kann, ist beim 3D-Druck innerhalb weniger Tage, oft sogar über Nacht möglich“, sagt Dominik Ross und meint damit filigrane Konstruktionen, die mit konventionellen Methoden schlicht unmöglich und erst durch additive Verfahren – wenn Schicht für Schicht aufgetragen wird – realisierbar seinen.

3D-Metalldruck eignet sich auch für Luft- und Raumfahrt

Mittlerweile hat das 2017 gegründete Start-up bereits Kunden aus der Automobilbranche, der Luft- und Raumfahrt – vor allem in diesen Branchen kämpfen Unternehmen bei ihren Produkten um jedes Gramm Gewicht – sowie aus dem Werkzeug- und Sondermaschinenbau. Die Technologie biete viele Vorteile, sagen die beiden Gründer. Fräsen, drehen, schneiden, bohren – diese Prozesse der Metallverarbeitung würden auf ein Minimum in der Nachbearbeitung reduziert. Damit sei eine drastische Verkürzung der Produktionszeiten und bei Kleinserien auch der Kosten verbunden. Auch das Gewicht lasse sich reduzieren – bei gleicher Festigkeit.

Dass Ross und Grundmann mit ihrer innovativen Technologie und ihrem eigenen Unternehmen an den Start gehen konnten, hat eine Förderung durch die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg möglich gemacht. Sie hat eine Gründungsfinanzierung der L-Bank mit einer 70-prozentigen Bürgschaft abgesichert „Wir möchten damit gezielt Zukunftsvorhaben und Neugründungen unterstützen, um dem Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg weiteren Aufwind zu verleihen“, sagt Bürgschaftsbank-Vorstand Guy Selbherr. Insgesamt bestehen 14 939 Bürgschaften an baden-württembergischen Unternehmen mit einem Kredit- und Beteiligungsvolumen von rund 2,6 Milliarden Euro.

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