Zwei Deutsch-israelische Acceleratoren fürs Land

Deutsch-israelische AcceleratorenAuch ein Aufenthalt in der israelischen Startup-Metropole Tel Aviv gehört zum Programm. Foto: GidonPico CC0

Deutsch-israelische Acceleratoren, die binationale Innovationsteams zusammenschmieden, gibt es in München und Frankfurt. Nun kommen diese auf Austausch von Technologien, Ideen und vor allem Menschen zielenden Programme nach Freiburg und Mannheim.

Programme, in denen unter Zeitdruck innovative Ideen entwickelt werden – so genannte Acceleratoren – gibt es in Baden-Württemberg inzwischen in vielen Varianten.  Doch nun geht ein  neuer Partner mit einem ganz eigenen Konzept an den Start: Israel startet in Zusammenarbeit in Mannheim und Freiburg neuartige deutsch-israelische Acceleratoren. Beide Städte haben Partnerschaften mit der israelischen Startup-Metropole Tel Aviv. Es geht den Israeli weniger darum, mithilfe des Programms gleich Startups zu lancieren. Sie wollen vielmehr ein  Netzwerk zwischen Baden-Württemberg und Israel knüpfen – mit besonderem Blick auf den hiesigen Mittelstand. „Wir wollen  zwei Deutsche und zwei Israeli in den Teams zusammenbringen“, sagt der israelische Generalkonsul Dan Shaham.

Die  erst im Bewerbungsverfahren kombinierten, binationalen Teams bekommen eine Innovations-Herausforderung gestellt, die ein mittelständisches Partnerunternehmen aus Baden-Württemberg aussucht. „Es ist für die Unternehmen sozusagen ein Outsourcing von Innovation“, sagt Shaham. Die Firmen bezahlen dafür und tragen so zur Finanzierung des Programms bei. Das Ziel sind aber vor allem Freundschaften und Kontakte, die weit über die Zeitdauer der Acceleratoren hinausgehen.

Das Projekt in Mannheim ist am weitesten gediehen

Das am weitesten  fortgeschrittene Projekt soll in Mannheim  im Herbst anlaufen. Thematisch sind die Herausforderungen nicht festgelegt, aber die Israeli sagen, dass ihnen dabei auch die in Mannheim stark vertretene Musik- und Kreativbranche am Herzen liegt. In Freiburg wird das Thema grüne Innovation sein. Und was sind die genauen Bewerbungskritierien? „Sie fragen sehr deutsch“, sagt Shaham. Jeder, der eine zum Programm passende Idee hat, sei zunächst einmal eingeladen.

Am Ende ist dann aber ein entscheidendes Kriterium, ob diese Ideen zu den von den Wirtschaftspartnern aufgestellten „Herausforderungen“ passen. Kommuniziert werden die Innovationswünsche der Unternehmenspartner im voraus aber nicht. Niemand kann so seine Konzepte gezielt darauf  zuschneiden. Erst im Bewerbungsverfahren wird geschaut, wer zu welchem Thema am besten passt und welche Teams sich gut zusammenfügen. Beim  Mannheimer Programm arbeiten vier bis sechs  Teams zuerst acht Wochen in Baden-Württemberg. Die beiden letzten  Wochen und die finale Präsentation finden in  Tel Aviv statt. Das Konzept in Freiburg ist etwas anders. Dort folgen einer einwöchigen Startphase in Freiburg vierzehn Wochen virtueller Zusammenarbeit von vier Teams, die ebenfalls in einer Präsentation gipfelt. Die zwei Programmdurchläufe im Jahr sollen abwechselnd in Freiburg und Tel Aviv stattfinden.

Baden-Württemberg für deutsch-israelische Acceleratoren interessant

Ähnliche Projekte gibt es bereits in München und inzwischen auch in Frankfurt.  Israel wirft zurzeit einen intensiven Blick auf Baden-Württemberg. „Es gibt es einige Ähnlichkeiten: Es ist die Kombination aus Stabilität und Dynamik, die starke Rolle von Familienbetrieben, die Technologieorientierung“, sagt Shaham. Die Mittelständler könnten andererseits von der Startup-Mentalität und der Risikofreude in Israel profitieren.  Auch beim Innovationsprojekt Startup Autobahn von Daimler waren israelische Startups bisher stark vertreten. Unternehmen wie Stihl haben sich bereits an Startups aus Israel beteiligt. „Wir wollen vor allem, dass auch mittelständische Unternehmen mögliche Kooperationen mit Israel verstärkt in den Blick bekommen,“ sagt Shaham.

Auch mit einem eigens auf mittelständische Unternehmer zugeschnittenen, individuell wählbaren Exkursionsprogramm in Israel will man die Hürden für Kooperationen senken. Wie wichtig Israel eine engere Zusammenarbeit mit Baden-Württemberg ist, zeigen nicht nur deutsch-israelische Acceleratoren, sondern auch die Tatsache, dass nun eigens für Baden-Württemberg in Stuttgart eine Wirtschaftsrepräsentantin des Konsulats installiert wurde.

Für das Mannheimer Programm können sich Firmen noch bis Ende Juli  melden. In Freiburg ist die Vorlaufzeit noch etwas länger. Ansprechpartner in Mannheim ist Florian Fischer von Startup Mannheim (fischer@startup-mannheim.de). Für generelle Informationen zum Programm steht die israelische Wirtschaftsbeauftragte Maren Steege (rep@stuttgart.mfa.gov.il) zur Verfügung.

Startup-Hochburg Israel
Kleiner Markt, Wissen als Ressource, notwendige Überlebenskunst – viele Faktoren machen Israel zu einer Startup-Hochburg. In keinem anderen Land gibt es im Vergleich zur Einwohnerzahl so viele innovativen Gründungen. Hinter dem Silicon Valley schafft es Israel mit seinen 8,4 Millionen Einwohnern auch in absoluten Zahlen als Gründer-Hochburg auf Platz zwei in der Welt.  
Von den dortigen Dimensionen kann man in Baden-Württemberg (10,9 Millionen Einwohner) nur träumen. Der staatliche Risikokapitalfonds zur Startup-Förderung ist in Israel mit umgerechnet 350 Millionen Euro bestückt.  Zum Vergleich: Gerade hat die hiesige Landesregierung einen neuen Fonds mit fünf Millionen Euro bestückt. Jedes Jahr gibt es Startup-Verkäufe, die so genannten Exits, in einem Volumen von 300 bis 400 Millionen Euro.

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