Zieleinlauf auf Daimlers Startup Autobahn

Startup Autobahn; Expo DayNetzwerken am Stand von Vayyar, einem israelischen Spezialisten für Radardetektoren. Foto: Lichtgut/Kovalenko

Erster Expo Day der Startup Autobahn. In der Arena 2036, der künftigen Stuttgarter Forschungsfabrik für automobile Innovationen, haben sich die 13 Teilnehmer im Finale vorgestellt. Auch Porsche macht nun mit.

Mit einem großen Abschlussevent in der Halle des künftigen Technologie-Testzentrums an der Universität in Stuttgart-Vaihingen ist die erste Etappe von Daimlers Kooperationsprojekt Startup Autobahn  zu Ende gegangen. Die 13  für das Programm ausgewählten internationalen  Startups präsentierten sich vor  fast 1000 Gästen bei der bisher größten Veranstaltung des im Mai 2016 gestarteten Innovations- und Kooperationsprogramms. Am Freitag findet in Stuttgarts bereits das Auswahlverfahren für  die zweite Runde statt. Dort bewerben sich nach einer Vorauswahl noch 39 junge Unternehmen für die rund zehn verfügbaren Plätze.
Daimler präsentierte am Donnerstag erstmals weitere Partner, die sich künftig an dem Innovationsprogramm beteiligen. „Es geht uns zwar um Ideen, vor allem aber auch um Menschen mit ausgeprägtem Erfindergeist, die wir hier in Stuttgart, der Wiege des Automobils, unterstützen wollen“, sagte der Mercedes-Benz Entwicklungschef Ola Källenius auf der Veranstaltung.
Ziel ist es, nach dem Muster des Silicon Valley die Region Stuttgart zu einem internationalen Zentrum der Technologieentwicklung der Autobranche zu machen. Ein neuer Partner ist etwa das Automobilunternehmen Porsche, das damit als erster  direkter Daimler-Wettbewerber in das  Programm eingestiegen ist. „Unsere Innovationskultur erhält so einen weiteren Schub“, sagte Porsche-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume in der offiziellen Ankündigung. Weitere neue Teilnehmer sind der Automobilzulieferer ZF, der Chemiekonzern BASF sowie     das japanische Unternehmen Murata, einer der größten Hersteller elektronischer Bauteile der Welt, der sich besonders für den Bereich der E-Mobilität interessiert.  Die  Partnerschaft mit dem IT-Konzern Hewlett Packard Enterprise war bereits vor einiger Zeit verkündet worden.

Öffnung für andere  Firmen war  Ziel der Startup Autobahn

Die Öffnung für weitere Partner  sei von Anfang an das Ziel der Startup Autobahn gewesen, sagt Anke Kleinschmit, Chefin der Daimler Konzernforschung. Man habe  bewusst nicht ein konzerninternes Innovationsprogramm auflegen wollen. Mit den zusätzlichen Partnern dürfte die Startup Autobahn in der zweiten Runde an Attraktivität gewinnen.
Aus der ersten Runde, die zum großen Teil noch von Daimler bestritten wurde, sind 15 konkrete Technologieprojekte hervorgegangen, die der Autokonzern nun mit einem Teil der Startups weiterbetreiben wird. Nicht alle Firmen haben ein solches Anschlussprogramm, aber teilweise werden mit  ein und demselben  Startup gleich mehrere Projekt weitergeführt. „Wenn sie etwa an den Bereich Cybersicherheit denken, dann ist das etwas, was in vielen Bereichen wichtig ist“, sagt Kleinschmit.
Daimler agiert dabei auf absehbare Zeit nicht als Investor, sondern als Projektpartner, der Ressourcen und Manager als Mentoren zur Verfügung stellt. Die Startups blieben weiterhin selbstständig.„Wir wollen nun  aber  in die konkrete Umsetzung kommen,“ sagt Kleinschmit: „Für uns war die entscheidende Frage: Können wir uns das in einem Fahrzeug vorstellen?“  Nachdem in der ersten Phase das technologische Potenzial ausgelotet worden sei, gehe es nun um konkrete Entwicklungsziele. „Wir wollen Entwicklungsprozesse beschleunigen und dabei die Startup-Mentalität nicht kaputt machen“, sagt die Daimler-Entwicklungschefin.
Nach Angaben von Saeed Amidi, Chef des amerikanischen Kooperationspartners und Startup-Experten Plug and Play, haben vier der 13 Beteiligten während des Programms schon weiteres Kapital mobilisiert, teilweise im zweistelligen Millionenbereich. „Mercedes ist eigentlich eine ziemlich konservative Firma“, sagt Amidi, der weltweit mit 150 etablierten Firmen zusammenarbeitet, darunter auch mit den Autokonzernen Ford, Nissan, Peugeot und Toyota. „Aber Daimler ist für uns jetzt schon   auf Rang  drei oder fünf,“ sagt er über seine Erfahrung mit dem Programm.

Produktionsoptimierung und ein neues Warnradar

Auch wenn Daimler die weiterlaufenden  Kooperationsprojekte bisher nicht kommuniziert, nannten einige Startups bei den Präsentationen konkrete Beispiele. Das ursprünglich aus Israel stammende  Start-up N-join, das sich auf die digitale Optimierung von Produktionsprozessen spezialisiert hat, ist beispielsweise in Sindelfingen in die Optimierung der Lackiererei eingebunden. In Berlin kooperiert man bei der Verbesserung der Getriebeproduktion.
Konkrete Projektziele wurden auch von Canatu aus Finnland formuliert, das  die unterschiedlichsten Oberflächen im Auto berührungsempfindlich macht und  damit etwa ermöglichen will, einen Autositz  allein mit der Berührung des Fingers einzustellen. Das Startup hat im September 2016 zehn Millionen Dollar eingesammelt.
Vayyar aus Israel arbeitet zusammen mit Daimler  an einem Radar, das in der  Produktion Schutzzäune zwischen Robotern und Menschen überflüssig machen könnte, weil der Aufenthaltsort von Personen ständig exakt verfolgt werden kann.

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