Uwe Horstmann steigt mit Project A in Baden-Württemberg ein

Uwe Horstmann, Project AUwe Horstmann, ein führender Kopf der Berliner VC-Szene, kehrt zu seinen Wurzeln in Baden-Württemberg zurück. Foto: Project A

Einer der bekanntesten Berliner Startup-Investoren, rückt Baden-Württemberg in den Mittelpunkt seiner Strategie. Project A, ein 2012 vom gebürtigen Biberacher Uwe Horstmann mitgegründeter Fonds, wird dafür um 180 Millionen Euro aufgestockt.

Bisher war der 30-jährige Uwe Horstmann für seine frühere, führende  Mitarbeit in der größten deutschen Startup Schmiede Rocket Internet bekannt. Nun will er sich verstärkt Startups jenseits der Berliner App-Ökonomie zuwenden, die Geschäftskunden im Visier haben – und dafür ist Baden-Württemberg als Teil der Europastrategie des neuen Fonds seiner Ansicht nach prädestiniert.

Was will ein Berliner Investor im Land?
Meine große Hoffnung ist es, dass 2017 das Jahr wird, in dem die Unternehmen, die das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden, das Thema Startups richtig entdecken. Das sind nicht nur die Großkonzerne, das ist vor allem auch der Mittelstand. Und der ist in Baden-Württemberg zu Hause. Wir möchten eine Brücke schlagen, zwischen dem was sich in Berlin tut und der Region. Baden-Württembergischer Innovationsgeist und Berliner Startup-Kosmos sind die perfekte Kombination.

Was haben Sie konkret im Land vor?
Wir haben gerade einen neuen Fonds in Höhe von 180 Millionen Euro eingesammelt, in dem der institutionelle Investor European Investment Fund, sowie etablierte deutsche Unternehmen und Unternehmerfamilien wie Ravensburger, Jahr, Haniel, Vaillant, Oetker und ProSiebenSat1 aber auch zahlreiche führende Köpfe der Digitalszene investiert haben. Damit vergrößern wir uns deutlich und verwalten bei Project A  nun insgesamt 256 Millionen Euro Kapital. Davon soll viel in Startups aus der Region fließen. Wir suchen da auch nach Partnern. Das können Firmen sein, öffentliche Träger oder Investoren vor Ort in Baden-Württemberg.

Und was ist nun das besondere an Project A? Das Investitionsvolumen? Die Herangehensweise?
Wir machen ein Investitionsvolumen möglich, dass es in Baden-Württemberg zurzeit noch nicht diesem Maße gibt. Wir können auch einmal zehn bis 15 Millionen Euro je Firma investieren. Genau an dieser Stelle des Finanzierungsbedarfs von Startups mangelt es im Land noch. Wir haben aber auch 100 Festangestellte, die beim Thema Startups ausgewiesene Experten sind, wenn es etwa um Themen wie Marketing, Vertrieb, Internationalisierung, Aufbau von Organisationen geht. Kurz: Wir bringen Geld in einer neuen Dimension nach Baden-Württemberg und bieten dazu den Zugriff auf das Beste aus der Hauptstadt. Und das ohne den ganzen Hype und das ganze Brimborium von dort, was man in meiner Heimat Baden-Württemberg bekanntlich nicht so gerne sieht.

Südwestdeutsche Allergie gegen Berlin

Beim Stichwort „Vorbild Berlin“ wird man hier im Südwesten in der Tat gelegentlich allergisch.
Es wird immer gefragt, ob das, was in Berlin passiert, überhaupt nachhaltig ist. Aber wenn wir in Berlin nur Firmen bauen würden, die keine Substanz haben, dann hätten wir keinen kommerziellen Erfolg. Luftschlösser werden auch dort nicht honoriert. Das ist alles ganz klar auf Profitabilität ausgerichtet. Schauen Sie sich den Online-Versender Zalando an: Man hat lange Verluste geschrieben. Aber das waren Anlaufinvestitionen für die Technologie. Jetzt ist man dort profitabel.

Sind sie mit Partnern unterwegs?  Will Project A auch mit Mittelständlern kooperieren?
Wir kooperieren gerne mit Mittelständlern, wenn die das richtig ernst meinen. Aber man muss sich bewusst sein, dass das Geschäft mit Startups nicht einfach ist und man das nicht aus der bequemen Ecke heraus machen kann. Sonst ist das eine nette Werbegeschichte und nicht Bestandteil der eigenen Strategie.

Suchen Sie eher Ko-Investoren, die so ticken wie Sie oder eher Partner mit speziellen Kenntnissen über Technologie und Markt?
Wir brauchen beides: Wir haben bei allen unseren Investitionen Partner dabei. Man kann immer etwas lernen.

Project A muss also nicht immer die Federführung haben?
Nein. Das ergibt sich allerdings in der Regel schon dadurch, dass wir mit relativ großen Investments einsteigen. Am Ende sind es aber die Startup-Unternehmer, die das Heft in der Hand haben.

Und wie sind Sie dann in Baden-Württemberg vor Ort präsent?
Auf der Stuttgarter Königstraße werden sie uns vermutlich nicht finden. Wenn überhaupt, würde es es uns eher in eine weniger glamouröse Umgebung ziehen. Das passt besser zu Startups. Unsere Berliner Experten sind heute schon in ganz Europa unterwegs. Sie werden sich auch vermehrt in Süddeutschland wiederfinden. Wir probieren die Sache jetzt erst einmal aus – mit voller Überzeugung. Wenn das Anklang findet, bauen wir dann vielleicht irgendwann mal ein Büro auf. Einer unserer Partner sitzt bereits in Süddeutschland. Das ist zwar in München, aber das ist ja schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung.

Manches baden-württembergisches Startup kann sich also künftig den Weg nach Berlin sparen?
Man kann in Berlin viel lernen, aber man muss nicht die ganze Zeit dort sein. Bei den Startups hier im Land interessiert uns die Nähe zu den Talenten und den Kunden. Aus Baden-Württemberg kann eine internationale Startup-Region werden. Dann gibt es irgendwann keinen Grund mehr zum Weggehen.

Uwe Horstmann: „Das Land ist immer noch etwas im Dornröschenschlaf“

Was fehlt dem Standort noch?
Im Bezug auf Startups ist Baden-Württemberg immer noch etwas im Dornröschenschlaf. Was fehlt, ist die Einsicht, dass es nicht reicht, schon sehr gut zu sein. Es ist noch nicht so bewusst, dass eigentlich jede Firma zur Softwarefirma mutieren wird. Und da ist es egal, ob wir heute vielleicht besser sind als die in Berlin – wir müssen noch viel besser werden.

Was ist der größte Fehler, den ein etabliertes Unternehmen, bei einer Kooperation mit Startups machen kann?‘
Der größte Fehler ist es, diese Unternehmen gleich zu erdrücken. Beim Thema Startups geht es um den Kampf um die allerbesten Köpfe. Bei Startups ist der Erfolg nämlich sehr ungleich verteilt. Es gibt nur wenige, die ganz groß gewinnen. Entscheidend ist, dass man als Investor, sei es privat oder öffentlich, ein Angebot schnürt, das für die Allerbesten attraktiv ist. Wenn man Startup-Projekte nur als Feigenblatt betreibt, dann zieht man Mittelmäßigkeit an. Und dann geht es schief.

Was hat ein ambitionierter Gründer überhaupt davon, wenn er mit einer etablierten Firma kooperiert?
Wir wollen über Projekte hinausgehen, die nur die nächste App bauen wollen. Wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir in Deutschland und insbesondere in Baden-Württemberg schon immer gut konnten. Das sind eher Produkte, die sich an Firmenkunden richten. Hier sind aber die Eintrittsbarrieren größer. Da braucht man beispielsweise eine Produktionsstraße, wo man seinen neuen Roboter testen kann. Da braucht man Zugriff auf einen großen Datenschatz, wo man seine Algorithmen erst mal durchspielen kann. Da gibt es sehr viele Ansatzpunkte, an denen Mittelständler oder größere Unternehmen für einen solchen Gründer attraktiv sind. Erst als Steigbügelhalter und als erster Kunde, später als Investor oder als Unternehmenskäufer.

Sie stammen aus Biberach. Steckt hinter dem Start in Baden-Württemberg auch etwas Lokalpatriotismus?
Absolut. Meine Berliner Kollegen wissen schon, dass ich nicht nur zum Biberacher Schützenfest gerne in den Süden gehe und mir viel an der Region liegt.

 

Biografie von  Uwe Horstmann

Uwe Horstmann hat 2012 den Investmentfonds Project A Ventures gegründet. Zusammen mit vier Partnern investiert er aus einem Topf von derzeit fast 260 Millionen Euro in Startups in Europa und weltweit. Er hat ein Team von 100 Experten aufgebaut, die diese Startups zusätzlich zum Kapital auch operativ unterstützen. Gemeinsam mit Private Equity-Investoren beteiligt er sich außerdem an etablierten Unternehmen, insbesondere wenn diese ihre Digitalisierung vorantreiben wollen. Vor Project A war Horstmann als einer der ersten Mitarbeiter und Geschäftführer von  Rocket Internet aktiv, einer in Berlin angesiedelten Startup-Schmiede.
Er studierte an der  privaten Wirtschaftshochschule WHU in Koblenz. Er wurde vor deutsch-amerikanischen Organisation Atlantik-Brücke als wichtige, jungen Führungspersönlichkeit ausgewählt und vom US-Wirtschaftsmagazin Forbes im vergangenen Jahr in die Liste der  dreißig wichtigsten Repräsentanten der europäischen Finanzszene unter dreißig aufgenommen. Seit einem Einsatz im Bürgerkriegsgebiet im Kongo in 2006 ist Katastrophenlogistik ihm ein wichtiges Anliegen. Uwe Horstmann hat in Ostafrika, in Japan, in Mexiko, in Nordkorea und in Saudi-Arabien gelebt.

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