Kein Chef mehr: Ulrich Dietz sucht Freiraum

Ulrich DietzUlrichDietz mit der künftigen GFT-Chefin Marika Lulay. Foto: GFT

In der Führungsetage des Stuttgarter IT-Dienstleisters GFT Technologies gibt es einen Wechsel. Der Gründer und  Chef Ulrich Dietz sucht als künftiger Vorsitzender des Verwaltungsrats mehr Freiraum – auch als Investor.

Auf den Chefposten rückt Marika Lulay, die bisher bei GFT, das operative Geschäft leitet. Die 54-Jährige ist seit 14 Jahren im Unternehmen, das inzwischen auf mehr als 4500 Mitarbeiter gewachsen ist.  Der bisherige Verwaltungsratsvorsitzende Paul Lerbinger wird dort künftig Stellvertreter.  Lulay wird zusammen mit dem Finanzchef Jochen Ruetz das Gremium der geschäftsführenden Direktoren bilden. Dietz wird seine Aktienanteile wie bisher behalten.
Der 59-jährige Dietz hat das Unternehmen, das auf IT-Dienstleistungen im Finanzsektor spezialisiert ist,  im Jahr 1987 gegründet. Neben seiner Tätigkeit als Firmenchef ist Dietz seit Jahren bei den Debatten um  Digitalisierung, Innovation und Startups nicht nur in Baden-Württemberg öffentlich präsent. Der bisherige GFT-Chef hat sich dabei immer wieder zu Fragen der Wirtschafts- und Technologiepolitik geäußert, gelegentlich auch provokativ.

Strategisches Interesse an Startups

Mit der internationalen Innovationsplattform Code_n hat er in den vergangenen  Jahren ein  Schaufenster für Start-ups auch aus Bereichen jenseits der Finanzbranche  geschaffen.       Dazu gehören unter anderem auch  ein Innovationscampus  am Unternehmenssitz in Stuttgart  und ein im vergangenen Jahr erstmals in Karlsruhe veranstaltetes Technologiefestival.
„Ich möchte diese Themen ausbauen und dabei nicht permanent  im Konflikt mit den Verpflichtungen im Unternehmen sein“, sagt Dietz.      Ein Stichwort  sei beispielsweise der weitere Ausbau des  Innovationscampus. Er wolle mehr Zeit haben, um über neue Geschäftsmodelle nachzudenken und auch als Risikokapitalgeber aktiv werden.  „Das wird aber nicht so lokalpatriotisch, wie es manche vielleicht gerne hätten“, sagt Dietz.   Es gebe in ganz Deutschland gute Möglichkeiten und GFT sei beispielsweise auch in Spanien und Italien gut verankert. Er denke hier eher europäisch – und letztlich global: „Es ist von zentraler Bedeutung, dass wir in Deutschland und Europa bei der Digitalisierung nicht den Anschluss verlieren.“  Dies gelte besonders für den Mittelstand.
Bis zum Sommer wolle er auch hier noch an seiner seine Strategie feilen: „Ich werde jedenfalls nicht nur einfach Geld in die Hand nehmen und mal zehn Start-ups finanzieren.“   Interessant seien beispielsweise die Themen Datenanalyse und Robotertechnik. Bisher hat sich GFT an einzelnen Startups beteiligt, erstmals Ende 2015  an der Parkhaus-App  Parkpocket.  Dietz wird  als Privatinvestor auftreten.

Ulrich Dietz will als Investor unabhängig agieren

„Es gibt hier in Stuttgart durchaus eine gewisse Frühlingsluft“, sagt Dietz etwa zu jüngsten Meldungen wie dem Einstieg des Fahrrad.de-Gründers René Marius Köhler ins Risikokapitalgeschäft. „Da muss man einmal schauen, wie lange das anhält“, sagt Dietz. Er selbst werde jedenfalls erst einmal unabhängig agieren.   Nach genau dreißig Jahren an der Unternehmensspitze sei dies der richtige Zeitpunkt für den Wechsel gewesen. GFT stehe wirtschaftlich gut da und die Stabübergabe, die sich noch bis zum offiziellen Wechsel im Mai hinziehen wird, habe von langer Hand vorbereitet werden können.
„Ich konnte mir den richtigen Zeitpunkt heraussuchen“, sagt Ulrich Dietz: „Es ist ein gleitender Übergang“.
An der grundsätzlichen Struktur und Arbeitsteilung zwischen dem Unternehmen GFT und der angedockten Innovationsplattform Code_n werde sich nichts ändern, sagt die künftige Chefin Lulay. Während GFT selbst Innovationen  entwickle, die nahe am Geschäft mit Finanzdienstleistungen sei, wolle das Unternehmen sich über die Innovationsplattform Code_n ganz neue Bereiche erschließen: „Wir sammeln hier branchenübergreifende Erfahrungen, die wir dann etwa auch als Berater Banken und Versicherungen vermitteln können“, sagt Lulay. Sie wird  als Chefin auch weiterhin für GFT und Code_n verantwortlich sein.

Noch mehr Innovationen...

Ein Gedanke zu “Kein Chef mehr: Ulrich Dietz sucht Freiraum”

  1. Das wird sicherlich spannend. Ulrich Dietz hat in den letzten 30 Jahren die Höhen und Tiefen der New Economy, mit dem eigenen Börsengang um die Jahrtausendwende und den darauf folgenden schwierigen Jahren, miterlebt. Dieses Wissen ist für junge Unternehmen sicherlich Gold wert. Merke: Aus Fehlern wird man klug – und aus den Fehlern anderer lernt man ohne Lehrgeld zahlen zu müssen 😉

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