Startups im Kosovo: E-Commerce mal anders

Startups im KosovoMimosa Cana setzt beim Vertrieb von Pullovern aufs Internet. Foto: Krohn

Startups im Kosovo? Wie passt das zusammen? Das Unternehmen Purple Muse ist ein gutes Beispiel dafür, wie das Internet die Kombination aus traditioneller Produktion und Vertrieb in ganz Europa erlaubt.

Mimosa Cana hat eine Mission. „ich will, dass es für die Menschen in ganz Europa normal wird, Produkte aus dem Kosovo zu kaufen“, sagt die 21-Jährige selbstbewusst. „Die Leute sollen sehen, dass wir in der Lage sind, Waren in hoher Qualität herzustellen.“ Im Moment steht die junge Frau allerdings noch ganz am Anfang ihres langen und sehr ehrgeizigen Weges. In den vergangenen Monaten hat Mimosa Cana im Kosovo ein kleines Startup-Unternehmen mit dem Namen „Purple Muse“ ins Leben gerufen. Die Idee ist denkbar einfach, wurde bis jetzt allerdings noch von niemandem konsequent umgesetzt. Sie lässt von Frauen aus ihrer Stadt Pullover ganz indivduell stricken und will diese dann über das Internet vertreiben.

GIZ schiebt Startups im Kosovo an

Die Idee für das Projekt habe sie schon länger, erzählt die Neuunternehmerin, umgesetzt werden konnte es aber erst mit einer kleinen Anschubfinanzierung der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ). Mimosa Cana hat sich im Rahmen eines Förderprogrammes für Startups im Kosovo und  junge Existenzgründerinnen mit ihrem Business-Plan gegen mehrere Bewerberinnen durchsetzt und 3000 Euro Startkapital bekommen.
Das Geld allein reicht allerdings nicht, um ihren Traum zu realisieren.
„Bei der Umsetzung bin ich natürlich auf die Hilfe meiner Familie und von Freunden angewiesen“, sagt die junge Geschäftsfrau und gesteht, dass vor allem ihr Vater anfangs gegen das Projekt war. „Er konnte einfach nicht glauben, dass seine Tochter ein eigenes kleines Unternehmen auf die Beine stellen kann.“ Doch nachdem ihr die Unterstützung der GIZ sicher war und die Frauen die ersten Pullover produziert hatten, war auch er mit im Boot.

Kombination aus Tradition und E-Commerce

Die Frauen, die für die junge Frau arbeiten, mussten allerdings nicht lange überzeugt werden.  „Wir haben eine solche Initiative dringend gebraucht,“ sagt eine der Strickerinnen.  Die im Südwesten des Kosovo gelegene Stadt Gjakova war zu Zeiten Jugoslawiens bekannt als Zentrum des Handwerks. Doch nach dem Zusammenbruch des Landes und durch die Kriege in der Region, kollabierten auch die meisten wirtschaftlichen Strukturen. Heute leidet Gjakova unter sehr hoher Arbeitslosigkeit. Vor allem Frauen und Jugendliche finden kaum eine Anstellung. Wer Jobs schaffen will, muss deshalb Startups fördern.
„Über 80 Prozent der Unternehmer im Kosovo sind Männer“, sagt Vjosa Mullatahiri, die ein spezielles GIZ-Projekt für Gründerinnen betreut. Es liege also noch viel Potenzial brach. 68 Frauen wurden zunächst im Startup-Denken fit gemacht.  Die besten Teilnehmerinnen, die ihre Idee am Ende auch überzeugend präsentieren konnten, haben den zu Zuschuss bekommen. Mimosa Cana arbeitet im Moment noch mit einem Web-Designer am Aufbau einer Internetseite für ihr Startup.

Das Startup setzt auf den Trend zu individueller Mode

Ihr Ziel ist es, dass die Kunden die Pullover oder andere Strickwaren nicht nur bestellen können, sondern auch sehen, wer das spezielle Teil hergestellt hat. „Wir werden so die Produkte personalisieren“, sagt die junge Frau und ist überzeugt, sich auf diese Weise von anderen Anbietern abheben zu können.
„Je nach Komplexität des Musters arbeitet eine Strickerin weit über eine Woche an einem Pullover, sagt Mimosa Cana. Entsprechend dem Arbeitsaufwand werden die einzelnen Teile dann für 100 bis 200 Euro verkauft. Die junge Existenzgründerin wird die letzten Vorbereitungen für den Einstieg in den Markt in den nächsten Wochen abschließen. Auf den Markt gehen wird sie dann im August, mit einer Herbst- und Winterkollektion.

Fakten zum Kosovo
Der Kosovo gehört zu den ärmsten Regionen Europas. Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt rund 60 Prozent und das Land ist auf die Überweisungen von Kosovaren angewiesen, die aus dem Ausland Geld an ihre Familien schicken.  Im Kosovo leben fast zwei Millionen Menschen. Der völkerrechtliche Status des Landes ist allerdings umstritten. Am 17. Februar 2008 proklamierte das Parlament die Unabhängigkeit des Territoriums. Doch nur 111 der 193 UN-Mitglieder erkennen die Republik Kosovo als unabhängig an. Der Kosovo steht offiziell noch unter der Verwaltungshoheit der UN. Andere Staaten halten die einseitig ausgerufene Unabhängigkeit für rechtswidrig und betrachten das Kosovo weiterhin als einen Teil Serbiens, auch wenn die serbische Regierung keine Kontrolle mehr über das Gebiet ausübt.
Schon innerhalb Jugoslawiens war Kosovo die ärmste Region. Heute stützt sich die Wirtschaft zum einen auf kleinbäuerliche Familienbetriebe sowie Privatunternehmen im Handels- und Bausektor, die meist nach dem Krieg gegründet wurden und teilweise aus Fonds der EU gefördert werden. Die Arbeitslosigkeit liegt bei fast 30 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit bei fast 60 Prozent. Die Wirtschaft hängt in außerordentlich hohem Maß von Finanzzuflüssen von außen ab (Hilfsgelder, Kapitaltransfers von Emigranten). Startups im Kosovo sollen neue Möglichkeiten bieten.

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