Debatte: Startup-Standort Baden-Württemberg wohin?

Startup-Standort Baden-WürttembergWirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut verteidigte die Vorzüge des Standorts. Im Vordergrund (v.l.n.r); Michael Völter (Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse), Christof Siebert (Trumpf) und Alec Rauschenbusch (Grazia Equity). Foto: Lichtgut/Zweygarth

Der Zugang zu Kapital ist zentral für innovative Unternehmen. IdeenwerkBW hat dazu ein Round-Table-Gespräch mit Experten  veranstaltet. Hier die dritte und letzte Folge des Diskusionsprotokolls: Wo steht der Startup-Standort Baden-Württemberg?

Baden-Württemberg ist das Land der Hidden Champions, der heimlichen Weltmarktführer. Dennoch hat die Landeshauptstadt Stuttgart keinen guten Ruf bei Startups. „Wer will schon von München, Hamburg oder Berlin nach Stuttgart“, fragt René Marius Köhler, Gründer und Investor der neuen Koehler Group. (Zuvor hatte Köhler Internetstores gegründet, einen Online-Shop rund ums Fahrrad.) Köhler lebt in der Region Stuttgart, genauso wie Alec Rauschenbusch.
Auch er weiß um den Ruf der Schwabenmetropole – obwohl es hier vor allem im Bereich der Gründungen, die sich an Geschäftskunden richten, viel Potenzial gibt. Aber aus der Ferne betrachtet, wirkt das nicht unbedingt sexy. „Ich liebe Stuttgart“, sagt er. Seine Familie und seine Freunde lebten hier. „Für mich gelten die gleichen Gründe“, so Köhler. „Völliger Wahnsinn“, fügt er spontan hinzu und denkt dabei wohl an den Ruf des Südwestens in der Szene. Doch warum ist das so? Rauschenbusch glaubt einen Grund zu kennen, warum die Wahrnehmung beim Startup-Standort Baden-Württemberg hinterherhinkt: „Die Städte im Land wie Karlsruhe, Ulm und Stuttgart werden möglichst alle gleich behandelt. Doch bei Venture Capital funktioniert das nicht.“

Der Startup-Standort Baden-Württemberg ist dezentral

In der Startup-Szene seien Gründer und Investoren quasi täglich miteinander im Gespräch, man treffe sich. Im Land agiere man hingegen dezentral. Dabei seien die Voraussetzungen vorhanden, das Land habe gute Universitäten. Doch das Lehrfach Unternehmertum scheint keine Priorität zu genießen. Im Hinblick auf Startups würden Professoren nach den „falschen Kriterien“ beurteilt, bemerkt Rauschenbusch. Karrierefördernd seien vor allem wissenschaftliche Publikationen, vernachlässigt würde der Umgang mit Innovationen. Michael Ziegler, der Gründer von Grillido, hatte an der Uni München ein Stipendium für das Gründerzentrum. Eineinhalb Jahre habe er Zeit gehabt, ein eigenes Unternehmen zu gründen, erinnert er sich. „Mich hat das Feuer gepackt“, sagt er.
Im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sei man bereits weiter, wenn es um unternehmerisches Denken gehe, wirft Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut ein, die generell die kritischen Urteile über den Startup-Standort Baden-Württemberg  nicht so stehenlassen will. Aber es sei auch eine Frage der Risiko­bereitschaft, sagt Köhler. Er erläutert es am Beispiel des Kurznachrichtendienstes Snapchat. Obwohl dessen Verlust höher als der Umsatz war, wurden vor Kurzem beim Börsengang 3,4 Milliarden Dollar bei Anlegern eingesammelt. „Wer von uns hätte das durchgezogen?“, fragt er.
Inzwischen allerdings ist bei solch hochfliegenden Visionen auch wieder Ernüchterung eingekehrt – wie der drastische Einbruch des Börsenkurses der Mutterfirma Snap nach den jüngsten Geschäftszahlen belegt. Für badisches und schwäbisches Denken ist das dann schon wieder eher abschreckend.

Die beiden ersten Folgen der Serie erschienen am 11. Mai und am 15. Mai.

Die Teilnehmer
Nicole Hoffmeister-Kraut (Landesministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau),  Sascha Karimpour (Startup-Experte von Plug & Play Germany/Startup Autobahn),  René Marius Köhler (Investor, Koehler Group), Alec Rauschenbusch (Investor, Grazia Equity), Philipp Rose (Leiter von Robert Bosch Venture Capital),   Christof Siebert (Leiter Technologiemanagement Trumpf),  Adrian Thoma, (Gründer der Innovationsplattform Pioniergeist),  Michael Völter (Vorstandsvorsitzender Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse), Christoph Winkler (Managing Partner, Menold Bezler Rechtsanwälte), Michael Ziegler (Gründer, Grillido).  

Noch mehr Innovationen...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*


*

NEWSLETTER

Ideenwerkbw.de Newsletter

Einmal pro Woche die neuesten Startup-News!