Startup-Gipfel BW: Raus aus der Box!

Startup-Gipfel BWMit dem Startup Gipfel BW will die Landesregierung ein weithin sichtbares Zeichen setzen. Hierzu die kritische Analyse von IdeenwerkBW. Screenshot: IdeenwerkBW

Heute beginnt auf dem Messegelände Stuttgart der Startup-Gipfel BW, das bisher größte vom Land Baden-Württemberg organisierte, derartige Event. Wo steht der Südwesten beim Thema  Startups? Hier das „Grußwort“ von IdeenwerkBW.

Die Selbstdarstellung des Startup-Standorts Baden-Württemberg erinnert an das Bonmot des einstigen Stuttgarter Oberbürgermeisters Manfred Rommel: „Der Schwabe tut so, als ob er arm sei, aber er ist beleidigt, wenn andere ihm das glauben.“ Bei der Frage, ob das Land Nachholbedarf beim Thema Gründerkultur hat, überschlagen sich zurzeit Initiativen, Programme und Ideen, wie man sich im globalen Wettbewerb der Ideen und Innovationen attraktiver machen will. Am Freitag setzt die Landesregierung beim Startup-Gipfel BW, dem bisher größten Treffen Landestreffen rund um Startups, ein weithin sichtbares Zeichen.

Selbstlob unter dem Deckmantel der Selbstkritik

Doch wer die Debatte verfolgt, erlebt auf vielen Veranstaltungen im Land ein Ritual. Auf der Einladung stehen dramatische Fragezeichen zur Zukunft des baden-württembergischen Erfolgsmodells. Doch am meisten Beifall gibt es immer für die Redner, die betonen, wie eigentlich ganz großartig doch alles sei.  Und fast mit beleidigtem Unterton schieben diese oft hinterher, dass es  an der Zeit sei, den eigenen Standort nicht mehr herunterzureden! Kreative Unruhe hört sich anders an.

Die Stärke des Südwestens ist die Vielfalt des Mittelstands oder auch das Netzwerk, das Großkonzerne sowie kleine und mittlere Betriebe etwa im Bereich Automobil miteinander verbindet. Innovation war hier schon immer in der DNA. Dazu kommt eine gewachsene Bereitschaft, auch Startups und Gründern die Tür zu öffnen.  Ein Ingenieur oder Uniabsolvent, der etwa eine Startup-Idee im Bereich Industrie 4.0 hat, findet Förderer und  Partner. Das darf man auf jeder Werbetour für den Standort zu Recht stolz betonen.  Doch genau diese Abhängigkeit von  bestehenden Branchen, die vor gewaltigen Umbrüchen stehen, ist  andererseits die Crux der Landes-Wirtschaftspolitik!

Startup-Gipfel BW darf nicht nur auf Status quo aufbauen

Ein lebendige  Gründer-Kultur, die der Startup-Gipfel BW propagieren will,  darf nicht einfach komplementär zum Bestehenden sein. Zu ihr gehört im Gegenteil  die nagende Unzufriedenheit mit dem Vorhandenen. Sie lebt vom Wunsch nach Aufbruch, nach radikal  neuen Ideen, nach dem „Denken außerhalb der Box.“ Wirklich ambitionierte Gründer sind unzufrieden mit dem Status quo. Sie träumen nicht davon, gleich von einem etablierten Branchenführer „adoptiert“ zu werden oder sich passgenau in die Innovationsstrategie eines Großkonzerns einzufügen.

Der größte Feind einer Weiterentwicklung des Startup-Standortes Baden-Württemberg ist die Sattheit. Es gibt im Land seit vielen Jahren eine reichhaltige Gründerförderung.  Man kennt sich. Und wenn das Land  eine neue Idee zur Förderung des Startup-Wesens hat, dann landet die Umsetzung meist bei bekannten Partnern – natürlich säuberlich regional differenziert. Auf dem Startup-Gipfel, der doch der gemeinsamen Außendarstellung des Landes dienen soll, präsentiert man gleich neun regionale „Ökosysteme“.

Bloß eine App – da rümpft man die Nase

Aus der Betonung der eigenen Stärken wird schnell das Naserümpfen über die windigen Gestalten, die Berlin immerhin zu einem Anlaufpunkt für internationale Startup Investoren gemacht habe. Oder über die Amis, die Autos zwar programmieren, aber niemals solide bauen können. Oder über die Spinner, die mit irgendwelchen Apps auf dem Markt gehen, hinter denen doch gar keine neue Technologie steckt, sondern „nur“ ein kreatives Geschäftskonzept. Es schwäbelt immer noch bei vielen Startup-Events  – selbst wenn die Tagungssprache Englisch ist. Eine vitale Startup-Kultur steht  aber auch  für Internationalität und das Unkonventionelle, für das Schräge und Provokative. Das wird hier zu Lande schnell als „Hype“ abgekanzelt. Und es wird oft etwas zu eifrig betont, man könne doch andere Startup-Kulturen nicht kopieren.

Doch das Lernen von anderen ist die Essenz der Innovation.  Israel beispielsweise will von der Industrie 4.0 im Land profitieren. Berliner Investoren erkennen, dass bei den Technologie-Startups im Land Schätze zu heben sind. Nie würde man das  dort als Infragestellung der eigenen Stärken verstehen. Die Devise auf dem Startup-Gipfel BW sollte deshalb sein: Es gibt keine bewährten Modell, sondern nur Modelle, die sich immer neu bewähren müssen. Das ist Startup-Denken.

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