Startup Garage Hohenheim 2017: Das Finale

Startup Garage Hohenheim 2017Auch der Pitch vor einer Jury will erst einmal geübt sein. Foto: Felix Pilz Fotografie

An der Uni Stuttgart-Hohenheim hat das Pitch-Finale der Startup Garage Hohenheim 2017  (SGH) stattgefunden. Dort lernen Studenten notenfrei das Einmaleins der Startup-Gründung. Das erfolgreiche Angebot der SGH wird nun ausgebaut.

Sieben Teams mit ihren Gründerideen, die während eines ganzes Semesters ausgefeilt worden waren, haben sich in der voll besetzten Thomas-Müntzer-Scheuer in Stuttgart-Hohenheim im Rahmen der Startup Garage Hohenheim 2017 dem Publikum und der Fachjury gestellt. Dazu gehörte ein Startup, das internationale Geldtransfers erleichtert; eine Technologie, die aus angeschwemmten Tang Plastikrohstoff macht; sowie ein Konzept, um Wein aus der Region einem jungen Publikum schmackhaft zu machen. Hinzu kamen Apps und Internet-Plattformen, die zum Radeln in Stuttgart ermuntern, Flüchtlingshilfe beziehungsweise Uni-Nachhilfe besser organisieren oder so genanntes Superfood aus Peru auf den deutschen Markt bringen wollen. Seit 2015 bietet in jedem Sommersemester die Universität-Hohenheim eine Lehrveranstaltung der besonderen Art an.

Die vom Hohenheimer Lehrstuhl für Entrepreneurship angestoßene Startup-Garage soll das Thema Gründen von der Theorie in die Praxis bringen. Nach modernen Startup-Methoden wie dem so genannten Design Thinking soll binnen gut drei Monaten aus einer Idee ein vorzeigbares Geschäftskonzept werden. Externe Mentoren und Seminarstunden in Startup-Zentren bringen Impulse von außen. Die Studenten bekommen aber keinen Schein und keine Punkte. „Sie müssen sich selber motivieren können“, sagt Andreas Kuckertz, Professor am Lehrstuhl für Entrepreneurship. Das kristallisiert sich nach den ersten Seminarstunden, die der Ideen- und der Teamfindung dienen, schnell heraus. Aus rund 60 Interessenten werden rund die Hälfte – und in der Regel sieben Teams.

Die Hürde von der Theorie zur Praxis nehmen

Hochschulen die aus der Fachhochschul-Tradition kommen, wie die Hochschule der Medien in Stuttgart, haben das praktische Gründen schon immer integriert. Doch an wissenschaftlichen Hochschulen war die Hürde von der Theorie zur Praxis bisher höher. Es fehlten praktische Lehrformate. In Baden-Württemberg gibt es eine Vielzahl von Förderprogrammen für Startups. Doch ohne einen Pool an  Gründern bleiben sie unter ihrem Potenzial.

Als Schlüssel gilt es, mehr Studierende –  nicht nur Wirtschaftswissenschafler –  fürs Gründen  zu begeistern. Der Freiraum im Studium und die meist noch nicht vorhandenen familiären Verpflichtungen machen dies zu einem optimalen Lebensabschnitt, um  sich mit dem Thema anzufreunden – selbst wenn  reale Gründungen erst nach  Jahren der Berufserfahrung angegangen werden.

Für ein weites Spektrum an Ideen offen

„Wir sind ganz offen für Ideen. Auch Startups mit einem sozial motivierten Ansatz sind uns willkommen“, sagt Kuckertz: „Das wichtigste ist, dass die Studierenden lernen, wie Unternehmer zu denken.“ Die Garage sei ein Raum für „Hacker, Tüftler und Macher“ sagt der Betreuer Leif Brändle. Auch wenn man mit seiner Idee scheitere, sei das nichts Negatives.  In den etwas mehr als zwei Jahren ihres Bestehens hat es die Veranstaltung laut Evaluation der Studenten zum beliebtesten Lehrformat geschafft. Nun wird es vom Landeswissenschaftsministerium gefördert. Eine Stelle für die Betreuung der Startup Garage macht es möglich, die Veranstaltung künftig in jedem Semester anzubieten, nicht mehr nur im Sommer.

Ziel in Hohenheim ist es, im Rahmen der Startup Garage Studenten der Wirtschaftswissenschaft verstärkt mit Kommilitonen der agrarwissenschaftlichen und der naturwissenschaftlichen Fakultät zusammenzubringen und gemischte Teams zu bilden. Bisher stellen Wirtschaftswissenschaftler etwa zwei Drittel der Teilnehmer, obwohl sie nur die Hälfte der Studenten an der Uni repräsentieren.

Sieger der Startup Garage Hohenheim 2017 haben konkrete Pläne

Wie ernsthaft die Studenten der Startup Garage Hohenheim 2017 das Thema angehen, zeigt der diesjährige Sieger des Startup-Finales. Ernest Eze und Julian Schulz, die gerade ihren Bachelor in Wirtschaftswissenschaften absolvieren, wollen mit MoneyTransfair eine Angebot für internationale Finanztransaktionen in Länder ohne ausgebautes Bankensystem etablieren. Ihre Idee: Ein hybrides Angebot, das in Deutschland online über eine App die Einzahlungen sammelt, im Empfängerland aber Bargeld ausliefert. Die Idee kam Eze als er erlebte, wie schwerfällig, und teuer für seine Verwandten Überweisungen nach Nigeria bisher sind.

Nicht nur die Kombination von offline und online soll zum Markenzeichen werden, sondern auch die Fairness. Bisher wird von den großen Anbietern an jeder Transaktion saftig verdient. MoneyTransfair verspricht den Nutzern, dass ein Teil der durch Wechselkursgewinnen erzielten Profite sozialen und ökologischen Projekten im Empfängerland zu Gute kommt. Außerdem will man preisgünstiger sein. Mit dem nicht rein profitgetriebenen Aspekt sind sie typisch für die Gründer der Startup-Garage. Soziale und ökologische Aspekte treiben die meisten an. Die Pläne des Siegerteams sind schon konkret: Derzeit knüpfen sie ein Netz an Probekunden. „Wir müssen erst einmal 50 000 Euro für die regulatorischen Anforderungen aufbringen. Bis die durch sind, dürfte es drei bis Monate dauern“, sagt Eze. Dann brauche es einen Investor, der bereit ist, etwa 500 000 Euro aufzubringen. Anfang oder Mitte 2018 könne man dann starten.

Die studentischen Zuschauer hingegen faszinierte ein technologisches Thema: Die Umwandlung von Seetang in Plastik (BioGap) gewann den Publikumspreis. Auf dem zweiten und dritten Platz im Publikums-Ranking landete eine Nachhilfe App für Studenten (Knox) und ein Projekt das Flüchtlingshilfe regional besser koordinieren will (MINTigration).

 

Noch mehr Innovationen...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*


*

NEWSLETTER

Ideenwerkbw.de Newsletter

Einmal pro Woche die neuesten Startup-News!