Signal fürs Wagniskapital in Baden-Württemberg?

Wagniskapital in Baden-WürttembergFondsmanager Sebastian Müller, L-Bank Chef Axel Nawrath und Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut bei der Vorstellung des Programms (v.l.). Foto: L-Bank/KD Busch

KOMMENTAR: Ein neuer Risikokapitalfonds des Landes Baden-Württemberg schließt für die  Startups im Südwesten eine bisher noch bestehende Lücke. Auf die Weltkarte bringt er das Wagniskapital in Baden-Württemberg allerdings  noch  nicht.

Wenn man den neuen Risikokapitalfonds einmal im Startup-Jargon zwischen „disruptiv“ und  „inkrementell“ bewerten müsste – dann würde die Nadel doch eher  in Richtung „inkrementell“ ausschlagen. Das erste Wort steht für radikalen Umbruch, das zweite für organischen Fortschritt.

Vor drei Jahren mobilisierte die damalige grün-rote Landesregierung für einen „VC-Fonds Baden-Württemberg“ vier Millionen Euro, nun sind es fünf.  Der reine Zahlenvergleich wird dem  neuen Projekt allerdings nicht ganz  gerecht. Der nun gestartete Risikokapitalfonds hat  den Anspruch, deutlich mehr privates Kapital zu mobilisieren als sein Vorgänger. Trotzdem kommt einem vieles  vertraut vor: Die Partner einschließlich der Landesinstitution L-Bank, die Geldgeber vor allem aus der Region selbst, der technologische Fokus, die Betonung auf Nachhaltigkeit. All das sind bekannte Stärken Baden-Württemberg, welche man gewiss nicht unter den Scheffel stellen muss.

Wo sind  internationale Partner fürs Wagniskapital in Baden-Württemberg?

Aber wo ist die viel beschworene Außenwirkung? Wo sind die internationalen Partner? Wo ist der Fokus auf ganz neue Themen, etwa auf global zu expandierenden, digitalen Geschäftsmodellen, nicht nur auf High-Tech? Diese Fragen sind wichtiger als die reine, nicht gerade die Grenzen des Landesetats austestende  Dimension des Fonds. Ein Erfolgsmodell zieht privates Kapital an, da hat die Landes-Wirtschaftsministerin recht.

Nicole Hoffmeister-Kraut ist Realpolitikerin: Mehr war unter den bestehenden Rahmenbedingungen nicht zu holen. Der große Kulturbruch mit einem völlig neuen Management- und Investitionssansatz war nicht gewollt.  Bestehende Partner sind eingebunden, das Land stärkt die vorhandenen Stärken der Region.  Das ist nützlich und wichtig, zumal der Fonds eine Lücke schließt, die bisher  Startups genau dann gebremst hat, wenn sie  wachsen wollten.  Es ist unverzichtbar, dass das Land hier einen Impuls setzt. Aber der Fonds ist nicht das von der Ministerin gewünschte  große Signal nach außen.  Das südwestdeutsche Investoren-Netzwerk, das  auch in Nachbarländer wie die Schweiz hineinreicht, wird sicher  funktionieren.   Aber Englisch wird so schnell nicht die Fonds-Sprache.

Immerhin: Die Wirtschaftsministerin macht daraus keinen Hehl. Der Fonds sei ein Anfang, dem weitere Schritte folgen müssten.  Gründergeist entsteht ja auch aus dem Bewusstsein: Beim Wagniskapital in Baden-Württemberg geht noch was. Ein solcher Startup-Geist ist Hoffmeister-Kraut zu wünschen.

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