Partnerschaft beim StartupSpot BW zerbricht

StartupSpot BWDas Pferd von Startup Stuttgart (rechts unten) wird bald von der Plattform verschwinden. Screenshot: IdeenwerkBW

Nur ein halbes Jahr hat die Kooperation des Vereins Startup Stuttgart mit den Hamburger Betreibern der Datenbank StartupSpot BW gehalten. Vereinsinteressen und kommerzielle Strategie passten am Ende doch nicht zusammen.

Als das Kooperationsprojekt Startup Spot im vergangenen September auf dem Startup Campus in Stuttgart  groß vorgestellt wurde, galt es als ein Beipiel dafür, wie der Gründerstandort Baden-Württemberg erwachsen wird. Die Marke StartupSpot steht für einen kostenlose Plattform im Netz, auf der sich junge Unternehmen sozusagen in Katalogform, um dadurch leichter auffindbar zu sein.  Eine solche zentrale Informationsplattform gab es im Südwesten bisher noch nicht. Entwickelt wurde das Projekt durch das Internetportal Hamburg Startups. Die Betreiber haben den Ehrgeiz, mittelfristig die ganze Republik mit regionalen Portalen zu überziehen und suchen dabei nach Partnern.
Neben dem Ursprungsstandort Hamburg gibt es inzwischen Ableger in Baden-Württemberg und im Rhein-Main-Gebiet.  Doch nach nur einem halben Jahr ist in Baden-Württemberg die Kooperation mit dem Verein Startup Stuttgart bereits wieder zu Ende. Die Interessen des Vereins und der kommerziellen Hamburger Betreiber waren nicht unter einen Hut zu bringen. Ganz im Startup-Geist hatte man mir dem Projekt angefangen, bevor rechtlich alles im Detail geregelt war.

Haftungsklauseln als Stolperstein

Für den Stuttgarter Verein hätten Haftungsklauseln in den Verträgen den Ausschlag gegeben, sagt der Vereinsvorsitzende Michael Haufler. Die Hamburger Partner hätten sich hingegen eine intensivere Akquisition von Startups durch das Vereinsnetzwerk gewünscht. Sie waren aber nach eigenen Angaben ernüchtert darüber, wie schwierig angesichts eines zerklüfteten Startup-Ökosystems in Baden-Württemberg es ist, von Stuttgart aus auf das ganze Land zu blicken.
„Die Stuttgarter Kollegen wissen nicht wie es in Karlsruhe aussieht“, sagt Sina Gritzuhn von StartupSpot. Zwar sei man sich grundsätzlich einig gewesen, dass der Zugang und der Zugriff auf die Startup-Daten auf Dauer kostenlos bleiben solle, sagt Haufler: „Aber Klauseln, die mit Vertragsstrafen drohten, wenn jemand von uns den StartupSpot BW schlecht pflegt oder Unsinn damit macht, waren für uns als Verein nicht tragbar“, sagt er. Bei StartupSpot betont man, dass es hier nur um die übliche Haftung bei Verstößen gegen den Datenschutz gegangen sei und die Betreuung des Portals in Hamburg gelegen habe.

Die Schlüsselfrage: Wem gehören die Daten?

Unter dem Strich ging es um die Grundsatzfrage, wem die Daten am Ende gehören. Die Hamburger Initiatoren brauchen diese als Basis, um beispielsweise irgendwann einmal eine Recherche- und Datenbank betreiben zu können, die zumindest für bestimmte Nutzer wie Journalisten, Wissenschaftler oder Investoren kostenpflichtig zu nutzen wäre. Doch für manche potenzielle Partner – unter anderem in Karlsruhe – sei das eine Hürde gewesen, sagt Haufler: „Die konnten sich mit solch einem privatwirtschaftlichen Modell nicht anfreunden.“
Man werde den StartupSpot BW wie bisher weiterbetreiben, aber versuchen, mit Partnern überall im Land zusammenzuarbeiten, sagt Sina Gritzuhn. Dazu gehört etwa auch die Innovationsplattform Code_n des Stuttgarter IT-Dienstleisters GFT. Haufler sieht hingegen weiterhin Bedarf an einem von den Hamburgern unabhängigen Portal. Für den Stuttgarter Verein ist es auch weiterhin denkbar eine solche Registrierplattform zu betreiben. Man sei offen für Kooperationen. Startup Stuttgart und StartupSpot betonen im übrigen, dass man den Gesprächsfaden weiterhin aufrecht erhalte.

StartupSpot BW bekommt Konkurrenz

Neben diesem nun aufgesplitteten Projekt sind weitere Portale am Start, die entweder für die Region Stuttgart oder ganz Baden-Württemberg den Anspruch erheben, eine Anlaufstelle für Service und Informationen zu sein. Schon am kommenden Montag wird ein weiteres Portal an den Start gehen, das die Wirtschaftsförderung der Stadt Stuttgart zusammen mit der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS), den Business Angels Region Stuttgart (BARS) und der Wirtschaftsinitiative Bwcon betreiben will – und bei dem auch der Verein Startup Stuttgart mitmacht.
Auch die Börse Stuttgart hat parallel eine Infoplattform zum Thema Startups in Arbeit. Zu alldem hat die baden-württembergische Wirtschaftsministerin den Anspruch für den Startup-Standort Baden-Württemberg ein zentrales Serviceportal zu schaffen. Die Ausschreibung für das entsprechende Portal läuft, im Sommer soll es im Rahmen eines großen Gründerevents Mitte Juli präsentiert werden.
Ines Aufrecht, Leiterin der Wirtschaftsförderung Stuttgart räumt ein, dass man sich im Detail bisher nicht mit dem Land koordiniert hat. „Ich halte es aber für sinnvoll, dass jeder Standort mit entsprechender kritischer Masse ein entsprechendes Angebot hat.“ Allerdings dominieren bei der Gründerförderung Landesprogramme. Man könne das eigene Angebot anpassen, wenn das Land am Start sei, sagt Aufrecht.

Gesunder Wettbewerb oder Zersplitterung?

Grundsätzlich sei Konkurrenz nicht schlecht sagt Haufler: „Die Börse konzentriert sich beispielsweise auf Informationen, die insbesondere für Investoren relevant sind.“ Dennoch bedeutet Vernetzung eigentlich, dass man eine überregionale und internationale Wahrnehmung nur bei einer kritischen Masse erreicht. In der gemeinsamen Außendarstellung hat der Südwesten aber Defizite. Zurzeit kommt nun allerdings zur regionalen Zersplitterung in Baden-Württemberg die kommunikative hinzu. Sina Gritzuhn bezeichnet die Kleinteiligkeit des Südwestens als eine der größten Lernerfahrungen der vergangenen Monate: „Aus einem Stadtstaat wie Hamburg sind wir das einfach nicht gewohnt.“

Noch mehr Innovationen...

Ein Gedanke zu “Partnerschaft beim StartupSpot BW zerbricht”

  1. Faszinierend. Als ob es nicht um die Sache ginge.
    Aber warum dieser verzweifelt wirkende scharfe Fokus auf Start-ups? Warum nicht mehr Fokus auf die zukünftigen Mittelständler? Und warum nicht Fokus darauf, deren Finanzierungsbedürfnisse endlich anzugehen und Alternativen zur klassischen Businessangelfinanzierung zu entwickeln? Warum nicht mehr für innovative Ausgründungen bei KMUs?

    Das Ländle verzettelt sich nicht nur, es setzt fragwürdige Prioritäten. Dabei geraten die Fläche sowie der Großteil der für das Land spannenden Gründungen aus dem Blick

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