Debatte: Zu viele Fördertöpfe für Startups?

Fördertöpfe für StartupsDie Diskussionsrunde in Stuttgart versammelte Experten aus Politik, etablierten Firmen, Investoren und Gründer. Foto: Lichtgut/Zweygarth

Der Zugang zu Kapital ist  zentral für junge, innovative Unternehmen. IdeenwerkBW hat dazu ein Round-Table-Gespräch mit Experten  veranstaltet. In drei Folgen protokollieren wir die Diskussion. Teil 1: Fördertöpfe für Startups. 

„Es kann doch nicht sein“, sagt Michael Völter, „dass wir eine eigene Startup-Szene generieren müssen, die die Fördertöpfe sucht.“ Der Vorstandschef der Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse hat mit der provokanten Bemerkung bein Round-Table-Gespräch von IdeenwerkBW die Lacher auf seiner Seite. Tatsächlich ist die Kapitalbeschaffung für Gründer eine Herausforderung. Die Risikokapitalgeber sitzen nicht in Baden-Württemberg, entsprechend wenig Startups haben Venture Capital. Stattdessen ist sind die staatlichen oder halbstaatlichem  Fördertöpfe für Startups im Südwesten vielfältig – und unübersichtlich. Darin waren sich die Teilnehmer des Round Table einig, der am Sitz des IT-Dienstleisters GFT in Stuttgart stattfand.

Ein Startup zum Sichten der Fördertöpfe für Startups

Völters Idee, ein Startup zu gründen, das die Förderangebote für Dritte sichtet, klingt gut. Nur: Er ist zu spät dran. Die Idee ist bereits umgesetzt, sagt Michael Ziegler, der Gründer von Grillido – und erzählt über ein ihm bekanntes Unternehmen mit exakt diesem Geschäftsmodell. Die Firma floriere und beschäftige 80 Mitarbeiter.
Die Stichelei will Nicole Hoffmeister-Kraut nicht auf sich sitzen lassen. Die EU, Bund, Länder, Kommunen, die Wirtschaft, Kammern und Verbände – sie alle wollen mit von der Partie sein, wenn es darum geht, innovative Gründer zu fördern, zeigt die baden-württembergische Wirtschaftsministerin auf. Die bedeutendsten Ansprechpartner für Gründer im Südwesten sind die L-Bank mit ihrer Startfinanzierung und die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft, die einen Seedfonds im Programm hat. Darüber hinaus bietet das Land Innovationsgutscheine.
Die Vielfalt ist aus Völters Sicht durchaus sinnvoll, aber das Angebot müsse kanalisiert werden, nicht zuletzt um Gründern die Suche zu vereinfachen. Möglicherweise hat Hoffmeister-Kraut die Lösung ja gefunden – und gräbt damit bald einem erfinderischen Jungunternehmer die Grundlagen seiner Geschäftsidee ab. Hoffmeister-Kraut hat der Unübersichtlichkeit den Kampf angesagt – im Juli beim Startup-Gipfel will sie eine Plattform präsentieren, die mehr Transparenz in die Fördertöpfe für Startups bringen soll. „Wir haben interessante Lösungen“, sagt sie – und vertröstet auf den Gipfel.

Startups brauchen das Geld schnell

Alec Rauschenbusch begrüßt die Fördermaßnahmen des Landes. Aber, sagt der erfahrene Investor, dies sei doch ein recht langsamer Weg. Er verweist dabei auf die Mühlen der Institutionen. „Wenn Startups Geld brauchen, brauchen sie es schnell“, sagt er. Und sie müssen schnell wissen, wie viel Geld ihnen zur Verfügung steht. „Da helfen Fördermittel nur bedingt“, fügt Rauschenbusch hinzu. Er verweist darauf, dass Deutschland weniger Geld in die Gründerszene stecke als etwa die USA. Er meint nicht die absoluten Werte, die in den USA schon allein wegen der Größe des Landes deutlich höher liegen. Er redet vielmehr von Anteilen gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Selbst im europäischen Vergleich liege Deutschland da nur im Mittelfeld.
Dies sieht Adrian Thoma ähnlich. Zum Start setzen Gründer meist eigene Ersparnisse und Innovationsgutscheine ein, erläutert der Gründer der Innovationsplattform Pioniergeist. Wenn es später dann um Risikokapital geht, stießen viele an „die gläserne Decke“. Im Südwesten gebe es zu wenig Risikokapital-Gesellschaften. Zwar kenne Kapital keine Grenzen, räumt er ein, dennoch: Investoren würden sich meist im Umfeld von 80 Kilometern bewegen, um den unmittelbaren Kontakt zu den Gründern zu halten.

Das Land soll ein Bundesprogramm aufstocken

Um Investoren in den Südwesten zu locken, hat Rauschenbusch einen ganz konkreten Vorschlag. Er empfiehlt, das Modell Invest, das der Bund aufgelegt hat und das deutschlandweit gilt, für den Südwesten zusätzlich aufzustocken. Inhalt dieses Förderprogramms, das in überarbeiteter Form seit Anfang des Jahres gilt, ist ein staatlicher Investitionszuschuss. Investoren, die sich mit mindestens 10 000 Euro an einem Jungunternehmen beteiligen, können 20 Prozent der Investitionssumme erhalten. Ansprechpartner für diese nicht zurückzuzahlende Unterstützung ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Jeder Investor kann so pro Kalenderjahr bis zu 500 000 Euro an Zuschüssen erhalten. Dieses Programm, das deutschlandweit gilt, habe sich bewährt, so Rauschenbusch. Wolle Baden-Württemberg Innovationen voranbringen, sollte das Programm schlicht erweitert werden. Auch Ziegler begrüßt den Bafa-Ansatz: „Das hilft auf jeden Fall in der Frühphase.“

„Das Land kann nicht in Startups investieren“

Die Ministerin nimmt die Anregungen wohlwollend auf: „Ich schaue es mir an“, verspricht sie und notiert sich die Stichworte. Aber gleichzeitig zeigt sie auch die Grenzen auf: „Die Aufgabe des Landes besteht nicht darin, in Startups zu investieren.“ Ziel sei es vielmehr, Impulse zu setzen – und da gebe es ein umfangreiches Angebot. René Marius Köhler, Gründer und Investor der neuen Koehler Group, pflichtet ihr bei und erläutert seine Erfahrungen. Er habe ein Handelshaus gegründet, ein kapitalintensives Geschäft, erzählt er. Unterstützt wurde er dabei von der Bank vor Ort sowie von der Bürgschaftsbank und der L-Bank. Fünf Jahre lang habe er die Gewinne thesauriert. Erst danach habe er sich für einen Investor entschieden – „um nicht zum Spielball von Interessen“ zu werden, wie er sagt.

Die Teilnehmer
Nicole Hoffmeister-Kraut (Landesministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau),  Sascha Karimpour (Startup-Experte von Plug & Play Germany/Startup Autobahn),  René Marius Köhler (Investor, Koehler Group), Alec Rauschenbusch (Investor, Grazia Equity), Philipp Rose (Leiter von Robert Bosch Venture Capital),   Christof Siebert (Leiter Technologiemanagement Trumpf),  Adrian Thoma, (Gründer der Innovationsplattform Pioniergeist),  Michael Völter (Vorstandsvorsitzender Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse), Christoph Winkler (Managing Partner, Menold Bezler Rechtsanwälte), Michael Ziegler (Gründer, Grillido).  

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