8treeErik Claas (rechts) mit seinem Gründerteam; Foto: 8tree

Ende September findet in Karlsruhe das CODE_n new.New Festival statt – initiiert vom Stuttgarter IT-Dienstleister GFT Technologies.  Interviews mit den Finalisten des Startup-Wettbewerbs gibt es hier. Heute: 8tree aus Daisendorf/Bodenseekreis.

Dank smarter 3D-Technologie findet 8tree jede Delle – egal ob an Flugzeugen, Autos oder anderen Oberflächen – und kann diese mit nur einem Knopfdruck zuverlässig und präzise vermessen. Manuelles, zeitraubendes oder gar mühevolles Vermessen ist damit passé. Das 3D-Scanverfahren ist weltweit patentiert; erste Kunden sind Airbus und Boeing sowie deren Sublieferanten. Unter den 385 Bewerbungen des diesjährigen CODE_n Startup-Wettbewerbs hat es das baden-württembergische Startup unter die Top 52 Finalisten geschafft und wird im September beim CODE_n new.New Festival im Cluster „Photonics 4.0“ mit dabei sein, das TRUMPF als Pate unterstützt. Über den revolutionären 3D-Scanner und seine Visionen spricht Erik Klaas, Gründer von 8tree, mit Anja Ebert von CODE_n.

Wie würdest Du Dein Startup in einem Satz beschreiben?
Wir entwickeln revolutionäre 3D-Scanner zur Inspektion von Oberflächen – mit Fokus auf Flugzeuge und Automobile.

Ihr stellt anwendungsspezifische 3D-Oberflächen-Inspektionssysteme her – was genau kann man sich darunter vorstellen?
3D-Scanner gibt es ja schon lange und auch in zahlreichen Ausprägungen. Die meisten sind aber vor allem teuer, kompliziert in der Anwendung und liefern praktisch nie eine „Gut-oder-Schlecht“-Entscheidung, sondern eine riesige Punktewolke. Die muss der Anwender dann selbst auswerten, um so seine Schlüsse zu ziehen.
Das wollen wir ändern! Unser Ziel ist es, auf Basis eines intelligenten Algorithmus mit nur einem Knopfdruck, also innerhalb einer Sekunde, für den Nutzer eine Entscheidung zu treffen – und zwar:

    • Gut-Schlecht
    • Pass-Fail
    • Go-NoGo

Dies kann nur gelingen, wenn wir eine klare Problemstellung haben. Damit werden die Systeme allerdings anwendungsspezifisch.

Aber welches Problem löst Ihr mit Eurer 3D-Scanning-Technologie konkret?
Wir haben uns zunächst auf zwei Anwendungen aus dem Bereich Flugzeugbau und Wartung konzentriert. Zukünftig werden wir aber auch verstärkt im Automotive-Umfeld aktiv werden.
Das sind zum einen die Dellen: In Flugzeugen entstehen Dellen durch Hagel, Vogelschlag oder unvorsichtige Fahrzeuge am Boden. Alle müssen nach sehr strengen Vorgaben vermessen werden. Mit der 8tree-Technologie kein Problem.
Darüber hinaus analysieren wir die Bündigkeit von Nieten. Wusstest du, dass mehr als 100 000 Nieten die Außenhaut eines Flugzeugs zusammenhalten? Diese sollten möglichst weniger als 0,05 mm überstehen um die Aerodynamik nicht zu beeinflussen. Wir können diese Sicherheitsprüfung gewährleisten – einfach und komfortabel.

8tree vermisst unter anderem Dellen an Flugzeugen

Und wer kauft Euer Produkt, welche Zielgruppe sprecht Ihr an?
Das sind zum einen natürlich die Flugzeughersteller wie Airbus, Boeing, Bombardier oder Embraer. Dazu zählen aber auch Airlines, MRO’s (also Wartungsfirmen für den Flugzeugbetrieb) sowie Autohersteller und Versicherungen, wie beispielsweise für die Dokumentation von Hagelschäden.

Seit wann gibt es 8tree?
Uns gibt es seit 2012 – die Gründung der 8tree GmbH erfolgte dann 2015.

Was hat Euch damals dazu inspiriert, die Firma zu gründen?
Wir haben festgestellt, dass die 3D-Scanning-Technologie nie den Durchbruch in die Produktionshallen geschafft hat, obwohl die Systeme bzw. die Prototypen seit vielen Jahren erfolgreich im Engineering eingesetzt wurden. Da war unsere Idee geboren, dass man diesen Durchbruch durch eine drastische Vereinfachung der Benutzerschnittstellen (One-Button-Operation) und durch die sofortige Auswertung im Scanner (Go-/NoGo-Decision) erreichen könnte.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Ihr und wie finanziert Ihr das Unternehmen?
Wir sind derzeit sechs Vollzeit-Mitarbeiter, haben aber zahlreiche Kompetenzen outgesourced. 8tree ist durch die Gründungsmitglieder sowie einige Mitarbeiter vollständig privat finanziert.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Wo geht es hin – wo seht Ihr Euch in fünf Jahren?In fünf Jahren werden unsere Systeme wahrscheinlich weltweit an jedem Flughafen zu finden sein. Wir glauben, dass die 8tree-Technologie in weiteren Industriebereichen zahlreiche neue Anwendungen finden wird. Gerade die Scanner-Technologie selbst wird sehr viel kompakter, leichtgewichtiger und preisgünstiger werden. Ob wir allerdings schon in fünf Jahren eine Smartphone-Größe erreichen können, bleibt indes noch abzuwarten. (lächelt)

Was war Euer größter Erfolg und bislang härtester Rückschlag?

Der größte Erfolg – ganz klar: Im Januar dieses Jahres wurden die Messgenauigkeit und Funktionalität unserer dentCHECK- und fastCHECK-Systeme von Airbus zertifiziert. Jetzt steht einer weltweiten Nutzung bei allen Airlines, die Airbus-Kunden sind, nichts mehr im Wege!
Schwierig dagegen ist es, dass wir als kleine Firma doch sehr mit den langen Entscheidungszeiträumen unserer Kunden zu kämpfen haben. 12 Monate sind da eher die Regel als die Ausnahme. Ein großer Hersteller von Verkehrsflugzeugen – der einer unserer ersten Kunden war – hat sich auch schon mal 3 Jahre mit der Bewertung unseres Systems Zeit gelassen… Da braucht man einen langen Atem und viel Optimismus.

Das klingt in der Tat nervenaufreibend. Würdet ihr rückblickend jederzeit wieder eine Firma gründen?
Ja, jederzeit – auch wenn natürlich nicht immer alles rund läuft und schon mal die eine oder andere schlaflose Nacht dabei ist. (lacht)

 


Erik Klaas_Profilbild_8tree Der Profilbogen

Mein Name ist Erik Klaas, Gründer von 8tree.

Ich bin aktuell 53 Jahre alt.

Der Morgen beginnt üblicherweise mit dem „Aufstehen“. Aber im Ernst: Es geht gleich los mit dem Sichten von E-Mails und Webseitenabrufen. Wenn ich im Büro angekommen bin, dann folgt die Tagesbesprechung mit den Kollegen oder die Vorbereitung von Kundenbesuchen.

Inspirationen hole ich mir auf Messen, Konferenzen oder beim Lesen von Fachzeitschriften und Artikeln.

Mein Arbeitstag hat in der Regel 10 Stunden, am Wochenende etwas weniger.

Abschalten kann ich am besten beim Joggen, Badminton- oder Klavierspielen und beim Fotografieren.

Gelernt habe ich Fotoingenieur.

Ich bin Unternehmer, weil es Spaß macht, komplett neue Dinge zu tun und für alles selbst verantwortlich zu sein.

Meine Vision ist es, unseren 3D-Scanner auf Handygröße „zu schrumpfen“ – oder dass unsere Technologie sogar eines Tages in jedem Smartphone verfügbar wäre.

Wenn ich nicht arbeite, findet man mich hier: Im Sommer im Strandbad am Bodensee.

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